Kirchturm Hannberg

Kirchturm Hannberg

Schon gewusst? – Der Kirchturm in Hannberg hat eine Höhe von 52 Meter, wobei allein das Walmdach 22 Meter aufweist. Während die ersten zwei Stockwerke bereits mit der ersten Kapelle ab ca. 1300 entstanden, ist der restliche Kirchturm bis 1425 fertiggestellt worden. Somit ist unser Kirchturm bereits fast 590 Jahr alt. Am 6. Januar 1865 ist der Blitz eingeschlagen und der Kirchturm abgebrannt. Zufall oder Schicksal? Am gleichen Tag schlug ebenso der Blitz in der Nürnberger Lorenzkirche ein. Der Hahn auf der Kirchturmspitze erinnert die Gläubigen an das Einhalten der christlichen Gebote und Moralvorstellungen.

Symbol des Seebachgrunds

Der Kirchturm in Hannberg ist der optische Höhepunkt und das von weiten deutlich sichtbare Zeichen der Wehranlage Hannberg. Er ist das Symbol für den gesamten Seebachgrund zwischen Dechsendorf, Heßdorf, Großenseebach und Weisendorf.

Wie hoch ist er?

Kirchturm mit 52 Meter

Kirchturm mit 52 Meter

Der Kirchturm in Hannberg besteht aus vier Stockwerken und weist eine Gesamthöhe von 51,88 Meter auf, wobei das Walmdach mit den schwarzen Schiefern mit 22 Meter mehr als ein Drittel der Gesamthöhe ausmacht. Der Turm hat eine Grundfläche von 8,35 Meter x 8,70 Meter und schließt sich direkt an den Chor- und Altarraum der Kirche an.

Bauphasen des Kirchturms

Der Hannberger Kirchturm wurde nicht in einem „Zug“ erstellt, es bedurf mehrerer Bauphasen.

Der erste Bauabschnitt wurde zusammen mit der Entstehung einer ersten Kapelle in Hannberg ab ca. 1300 gelegt (eine erste urkundliche Erwähnung einer Kapelle ist jedoch ab 1348 nachgewiesen). Somit entstand bereits im 14. Jahrhundert über den Altarraum ein zwei Stockwerke hoher Kirchturm gebaut und mit Schießscharten nach Norden, Osten und Süden ausgestattet. Kunsthistorisch ist der Kirchturm somit der Gotik zuzuordnen.

Bis zum Jahr 1425 wurde der Kirchturm dann auf vier Stockwerke erhöht. Das dritte und vierte Stockwerk wird mit fein gearbeiteten Spitzbogenfriesen ausgearbeitet, welche den Turm eine bestimmte Eleganz und Schönheit verleihen.

Glocken, Uhrwerk und Scharwarchttürmchen

Scharwachttürmchen

Scharwachttürmchen

Um den Glocken im vierten Stockwerk eine stärkere Akustik und weitere Verbreitung zu ermöglichen, wurden auf der vierten Ebene Schallfenster und hohe Spitzbogenfenster eingebaut. Somit war der Klang der Kirchenglocken über Hannberger hinaus für die Bevölkerung des Seebachgrunds deutlich hörbar. Darüber hinaus sind Uhren mit Zifferblätter und Zeiger in blattvergoldeten Stahlformen auf den Außenseiten des Turms angebracht. Bis vor zwei Jahren waren nur auf der Nord-, Süd- und Westseite eine Uhr angebracht. Die Uhr auf der Ostseite wurde erst im Jahr 2012 finanziert und vervollständigen das Bild.

Besonders auffällig sind die vier kleinen Türmchen am Ende des vierten Stockwerks, welche „Scharwarchttürmchen“ oder auch „Pfefferbüchsen“ genannt werden. Sie hatten sowohl einen künstlerischen Wert als auch einen Verteidigungszweck. In den Schawarchttürmchen saßen die Wächter zur Aussicht und konnten erkennen, ob sich der Feind näherte und die Glocken zur Alarmierung der Bevölkerung läuten.

Der große Brand 1865

Walmdach des Kirchturms

Walmdach des Kirchturms

Ein einschneidendes Ereignis war der Brand des Kirchturmes am 6. Januar 1865. Dieser Vorgang ist besonders bedauerlich, da in den Jahren vorher von 1857 bis 1864 noch intensive Restaurationen und wertvolle Anschaffungen getätigt wurden: Marienglocken 1857, neuer Taufstein 1863, Dachdeckerarbeiten 1863, Vergoldung von Figuren und neue Kirchenfenster 1864. Die Fertigstellung all dieser Arbeiten wurde im September 1864 gefeiert. Lediglich vier Monate später schlug jedoch am Dreikönigstag 1865 der Blitz in den Hannberger Kirchturm ein, der Dachstuhl verbrannte komplett und auch der Chorraum wurde schwer beschädigt. Unter großem Einsatz der Bevölkerung und mit Hilfe von Spenden wurde der Kirchturm jedoch bereits bis zum Jahr 1866 wieder in Originalgröße hergestellt. Während der originale Kirchturm rote Ziegel im Gleichklang mit den umstehenden Wehrtürme und dem Kirchenlangschiff hatte, wurde der Turm in der Renovierung mit schwarze Schiefer gedeckt. Das ist der Grund, warum aktuell der Kirchturm das einzige Dach der Wehranlage mit schwarzem Schiefer ist.

Interessanterweise schlug am gleichen Tag, den 6. Januar 1865, auch der Blitz in der Lorenzkirche in Nürnberg ein. Ein weiterer interessantes Zahlenspiel ist die Tatsache, dass die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Hannbergs in einer Schenkungsurkunde an den Bamberger Domkapitel am 6. Januar 1065 geschah, also der Kirchturmbrand auf den Tag genau 800 Jahre später geschah. Was für ein Zufall!

Der Hahn auf dem Kirchturm

Auf der Spitz des Kirchturms ist ein in Messing gefasster Hahn zu sehen. Die Bedeutung des Hahns wird in einem Gedicht eines lokalen Poeten im Rahmen der Feier des Wiederaufbaus des Turms im Jahr 1866 deutlich:

Siehst du auf der Thürme Höhen

Einen Hahn, so denke Freund!

Das einst bei des Hahnes Krähen

Petrus reuevoll geweint

Er soll dir somit

Wo dein Aug ihn sieht

Gelten als Symbol der Reue

Dass Gott holdvoll dir verzeihe.

Und soll er dich wecken

Wie der Wecker Petri war

Soll beim Fehltritt dich erschrecken

Soll dich warnen immerdar!

Seine und des Thurmes Sprache

Kündet, was dir fromme Sprache

Kündet, was dir frommen soll

Christ! Vernimm sie alle Tage

Und beherzige sie wohl!

(aus M. Stark, Seite 100 f)

Somit ist der Hahn auf dem Hannberger Kirchturm insbesondere ein Symbol dafür, dass die Gläubigen an ihren Glauben und die Gebote Christi erinnert werden sollen. Das Gedicht bezieht sich auf die Bibelstelle, als der Apostel Petrus Jesus dreimal verleugnet hatte und beim dritten Leugnen durch das Krähen des Hahns an seinen Fehltritt erinnert wurde. Übersetzt auf unsere Zeit erinnert der Hahn uns daran, im Rahmen der christlichen Gebote und Moralvorstellungen zu leben.

Quellen

  • Schaub, Hans „Die Wehrkirche zu Hannberg“, Heinrichs-Verlag, 2007
  • Stark, Monika „Die Wehrkirche in Hannberg“, Zulassungsarbeit zur I. Prüfung für das Lehramt an Volksschulen 1972, Universität Würzburg