Wehrkirchen waren im ausgehenden Mittelalter eine Reaktion der Landbevölkerung auf kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Markgrafen, Städten und Bistümern. In Franken gibt es relativ viele Wehrkirchen, wobei als Musterbeispiele stets die befestigten Kirchen in Effeltrich, Kraftshof und Hannberg genannt werden. In dem vorliegenden Artikel wurden einige Fakten und Bilder der drei Wehrkirchen gesammelt und Besonderheiten herausgestellt. Alle drei Wehrkirchen haben besondere Schätze aufzuweisen: Effeltrich mit wertvollen spätgotischen Marien- und Georgfiguren, Kraftshof mit tollem Wehrgang und Innenhof und Hannberg mit der ältesten, größten und wehrtechnisch interessantesten Wehranlage. 

Hintergrund

Warum gab es eigentlich Wehrkirchen? Und warum kann es zu einer so hohen Dichte an befestigten Wehrkirchen in Mittelfranken?

Zu allererst gilt es zu verstehen, dass im ausgehenden Mittelalter die Straßen und Handelswege zwischen den Städten Bamberg, Würzburg und der reichen Kaufmannsstadt Nürnberg wichtige Verbindungen für Handel und Militär darstellten. Somit stieg das Interesse von lokalen Markgrafen und Städten einen Einfluss über dieses Gebiet auszuüben. Zur Eskalation kam es im Jahr 1449 als der Markgrafen Albrecht Achilles von Bayreuth-Ansbach der Stadt Nürnberg die Fehde erklärte und den ersten Markgrafenkrieg (1449-50). Das Ziel von Albrecht war es aus Basis seiner Länder in Bayreuth und Ansbach ein Königreich Franken zu gründen. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen im Sommer 1449 wurden innerhalb weniger Wochen eine Vielzahl von Dörfern zwischen Höchstadt, Erlangen und Nürnberg zerstört, die Häuser verbrannt und das Vieh entführt.

Für alle drei Orte Effeltrich, Kraftshof und Hannberg war der Markgrafenkrieg somit das entscheidendes Ereignis, den Bau einer befestigten Wehranlage voranzutreiben. Die Bauern der kleinen Dörfer stellten fest, dass sie sich nur durch die Befestigung vorhandener Kapellen oder Kirchen vor den willkürlichen Angriffen der bekämpfenden Parteien retten konnte. Dies war der Grund, warum bei allen drei untersuchten Kirchen sowohl der Zeitraum einer ersten Kapelle als auch der Fertigstellung der Wehranlage grob identisch ist.

Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Der Ort Effeltrich ist für seine vielen Apfelbäume bekannt und kann eine erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1121 vorweisen. Die Wehrkirche liegt zentral im Ortszentrum auf einer leichten Erhebung. Weitere Sehenswürdigkeiten sind neben der Wehrkirche eine auf dem Dorfplatz  befindliche über 800-Jahre alte Linde und die Trachtenumzüge in Effeltrich an Fronleichnam und der Georgi-Ritt an Ostermontag.

Die Wehrkirche wurde in Effeltrich auf einer eher flachen Erhebung gebaut, was für die Verteidigung gegen kriegerische Truppen eher ein Nachteil war. Man geht davon aus, dass man in Effeltrich eine bereits vorhanden Kirche als Grundlage für Weiterentwicklung zur Kirchenburg verwendete. Analysen von Bauholz aus dem Eingangstor ergab, dass Bauholz aus dem Jahr 1303 verwendet wurde, somit kann eine erste Kapelle bzw. Turmkonstruktion ab Beginn 1300 vermutet werden.

Bau der Wehrkirche

Bei der Einschätzung des Alters der Wehranlage wurden in Hannberg, Effeltrich und Kraftshof jeweils dendrochronologisches Gutachten verwendet.  Dieses Verfahren kann mittels Holzproben das Alter des Bauholzes bestimmen, was bei der Fertigstellung der Wehrtürme verwendet wurde. Da die Dachfertigstellung der letzte Schritt bei der Fertigstellung einer Wehrkirche war, gilt dies als der beste Bestimmungszeitpunkt zum Abschluss der Bauarbeiten.

Laut dieses Verfahrens wurden die Bauarbeiten in Effeltrich an der Ostseite in den Jahren um 1460 begonnen und am Westturm im Jahr 1473/74 abgeschlossen. Während die jetzige Kirchenburg aus 5 Türmen besteht, soll die ursprüngliche Wehranlage aus 6 Türmen bestanden haben, zählt man den Kirchturm mit hinzu.

Wehranlage

Die Wehrmauer in Effeltrich war ursprünglich ca. 8-9 Meter hoch und 1,3 Meter dick. Der Ostturm ist besonders hinsichtlich seines Verteidigungscharakters, er zeigt 15 T-Schießscharten auf 4 Stockwerken auf. Besonders hervorzuheben ist der 0,8 Meter breite noch vorhandene Wehrgang, der über mehrere Kragtreppen zugänglich vom Kirchhoff ist. Der Kirchturm ist ein eigener Wehrturm, der lediglich im ersten Stock über einen Hocheingang zugänglich war. Der Kirche selbst wurde im Jahr 1405 erbaut und hatte verschiedene Bauabschnitte bis 1433 und 1497 um einen Choranbau erweitert. Besonders hervorzuheben ist die Reiterfigur des Heiligen Georg (um 1720) in einer Nische im Ziererker der Torfront. Ein weiterer Höhepunkt ist der heute noch erhaltene Wehrgang aus dem Jahr 1653/54.

Der Friedhof in Effeltrich war stets im Innenhof der Wehrkirche angesiedelt. Anders als in Kraftshof, wo man die originalen Grabsteine noch vorfindet, befinden sich in Effeltrich moderne Grabsteine, was belegt, dass der Friedhof im Innenhof von der Bevölkerung heute verwendet wird. Aus historischer Sicht ist jedoch nur noch teilweise nachzuvollziehen, wie der frühere Friedhof gestaltet war.

Kircheninnere

Effeltrich - gotischer Flügelaltar

Effeltrich – gotischer Flügelaltar

Die Kirche St. Georg in Effeltrich war ursprünglich (spät-) gotischen Baustils, wurde jedoch im Rahmen der Barockisierung Anfang des 18. Jahrhundert – ähnlich wie in Hannberg und Kraftshof – in eine barocke Kirche umgebaut.

Beim Eintritt in das Kircheninnere fällt dem Besucher der sehr gute Sanierungszustand der Kirche mit einer Vielzahl von gotischen und barocken Figuren und den Deckenfresken ins Auge. Die Deckenfresken im Chorraum aus dem 17. Jahrhundert zeigen den Heiligen Augustinus und Ambrosius.

Im Mittelpunkt steht der um 1720/30 geschaffene barocke Hochaltar.  Die historisch gesehen wertvollsten Figuren befinden sich auf der linken Seite in einem spätgotischen Flügelaltar mit Maria, Barbara und Katharina aus dem Jahr 1500. Diese Art von Flügelaltare waren in der Gotik typisch und sind in Effeltrich noch original erhalten. Des Weiteren ist eine schon gefertigte Kanzel mit Evangelisten (um 1759), ein Taufstein aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und eine Figur des Heiligen Georgs (wohl frühes 16. Jahrhundert) zu sehen.

Als moderneres Kunstwerk ist der im Jahr 1993 entstandene Zelebrationsaltar zu sehen, der von einen Lebensbaum darstellt.

Kraftshof

Eingang Wehrkirche Kraftstoff

Eingang Wehrkirche Kraftstoff

Die ursprünglich katholische Kirche St. Georg in Nürnberg-Kraftshof stellt eine weitere herausragende Wehrkirche in Franken dar. Der Ort Kraftshof wurde erstmals 1269 urkundlich erwähnt. Die Wehrkirche wurde von der Nürnberger Familie Kress erbaut und im Rahmen der Lutherisierung zu der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche für den Ort Kraftshof und Almoshof, Buch, Lohe und Neuhof.  Die Wehrkirche St. Georg in Kraftshof besitzt eine Chorturmkirche mit einer fünfeckigen Wehranlage und fünf runden Ecktürmen. Sie wurde im 2. Weltkrieg 1943 zwar teilweise zerstört ist aber in ihrem Erscheinungsbild noch original erhalten. Die Geschichte der Wehrkirche gibt hier interessante Aufschlüsse.

Bau der Wehrkirche

Die heutige St. Georgskirche ist eine Weiterentwicklung einer ersten kleinen St. Georgskapelle aus dem Jahr 1315, die heute Teil des Chorraums ist. Auch in Kraftshof wurde ein dendrochronologischen Verfahren zur Bestimmung des Alters der Wehrkirche angewendet. Laut diesem Verfahren wurde die Wehrkirche im Jahr 1511 fertiggestellt.

Im 16. Jahrhundert wurde die Wehrkirche in Kraftshof mehrfach verändert, z.B. wurde 1558 das „Paradies“ vor der Eingangstür der Kirche errichtet. In dieser Zeit entstand auch die Gruftkapelle der Familie Kress im Südostturm. Im 30-jährigen Krieg wurde das Dorf im Jahr 1634 zerstört und die Wehrkirche stark beschädigt.

Wehranlage

Nähert sich ein Besucher der Wehrkirche in Kraftshof, so fällt ihn sofort das große Eingangstor auf. Darauf ist „das Paradies“ abgebildet, zwei Sandreliefs mit dem Heiligen Georg, dem Namenspatron der Kirche. Das Sandsteinrelief stellt ihn in seinem Kampf mit dem Drachen dar. Darüber hinaus beeindruckt der original gebliebene Friedhof im Innenhof, der bis 1870 noch als Friedhof des Orts genutzt wurde. Historisch wertvoll ist der sehr gute erhaltene und begehbare Wehrgang auf der linken Seite. Durch die Schießscharten in der Wehrmauer auf Höhe des Wehrganges kann der Besucher sich einen Blick von der Verteidigungssituation in einer Wehrkirche machen kann.

Kircheninnere

Der Innenraum der Kirche St. Georg hat einen weitestgehend gotischen Charakter bewahrt, was insbesondere die wunderschöne Holzdecke und eine Vielzahl von Wappen verschiedener Ritterorden aufzeigt. Im Kircheninneren fällt der Blick sofort in Richtung eines drei-gliedrigen St. Georgaltars. Dieser spätgotische Georgsaltar aus dem Jahr 1490, flankiert mit den Heiligen Laurentius und Sebald. In der Mitte besiegt der Heilige Georg mit Ritterrüstung und auf seinem Pferd der Drachen.

Ein kunsthistorische Highlight ist der Marienaltar aus dem Jahr 1438 auf der linken Seite der Kirche, der eine spätgotische Maria mit dem Jesuskind darstellt. Die Marienfigur hält in ihrer rechten Hand ein Zepter und in der anderen Hand das Jesuskind. Die Figur ist sehr gut erhalten.

Der Leonhardsaltar rechts neben dem Triumphbogen stammt aus dem Jahr 1476. Es ist ein weitere spätgotischer Flügelaltar. Insgesamt ist die Kirche sehr gut erhalten und bietet einen reichen Schatz an Marienfiguren und Georgstatuen, was den Namenspatron der Kirche deutlich hervorhebt.

Hannberg

Hannberger Wehrkirche

Hannberger Wehrkirche

Die Wehrkirche Hannberg ist die befestigte Anlage der katholischen Kirche Geburt Marien’s westlich von Erlangen in dem Ort Hannberg. Der Ort Hannberg wurde erstmals urkundlich 1065 in einer Schenkungsurkunde des Bistums Bamberg erwähnt. Er spielte bereits im 11. Jahrhundert eine strategische Rolle im Gebiet zwischen den Bistümer Bamberg und Würzburg und der Stadt Nürnberg.

Die Kirche Hannberg wurde bereits seit Beginn des 16. Jahrhunderts als Wallfahrtsort verehrt. Hierbei spielte laut Chronistenangaben die heute noch vorhandene Maria mit dem Kind und ein Hannberger Gnadenbild – die Maria mit verschränkten Händen – eine bedeutende Rolle.

Bau der Wehrkirche

Eine erste Kapelle soll es in Hannberg bereits seit dem Jahr 1300 gegeben haben, diese wird in Schriften aus dem Jahr explizit beschrieben. Die früher zweistöckige Kapelle wurde in mehreren Bauphasen bis 1425 zum vierstöckigen, über 50 Meter hohen Kirchturm ausgebaut.

Das dendrochronologische Verfahren zur Bestimmung des Alters der Wehrkirche weist als Zeitpunkt der Fertigstellung die Spanne 1461-64 auf, somit ist Hannberg die älteste aller drei untersuchten Wehrkirchen.

Wehranlage

Eine erste Besonderheit der Hannberger Kirchenburg ist die enorme Größe der Wehranlage mit  den Ausmaßen von 73,50 Meter x 56,20 Meter, die von keiner anderen Anlage in Franken übertroffen wird. Die mit einer geschlossenen Ringmauer mit 6 Meter hohen Mauern und 5 Wehrtürme wurden mit einer für die damaligen Zeit modernen Verteidigungskonzept ausgestattet. Als einzige Wehrkirche in Franken konnte in Hannberg durch die Schießscharten nach innen und außen sowohl den angreifenden als auch den bereits eingedrungenen Feind bekämpft werden. Die Türme konnten nur über Leitern bestiegen werden, so dass sie eigene kleine „Burgen“ bildeten.

Als weitere Besonderheit wurde die Wehranlage (eventuell sogar das Kirchenschiff) durch kilometerlange unterirdische Gänge mit dem 3 km entfernte Neuenbürg verbunden. Die unterirdischen Gänge in Hannberg wurden erst kürzlich in 2013 wieder entdeckt, eine Erschließung für Besucher wird derzeit geprüft.

Kircheninnere

Maria mit dem Kinde

Maria mit dem Kinde

Die Kirche Geburt Marien’s in Hannberg war ursprünglich einen Katharinenkirche gotischer Prägung. Die ursprünglichen gotischen Stein- und Flügelaltäre sind heute durch barocke Haupt- und Seitenaltäre überdeckt. Die wesentlichen Steinaltäre sind jedoch für den Besucher noch zu besichtigen.

Hauptfokus des Hauptaltars ist eine spätgotische Maria mit Jesuskind welches um 1490-1500 angefertigt wurde. Weitere heute noch vorhandene gotische Figuren sind die Heiligen „Drei Madl“ aus dem Jahr 1510, die Heilige Barbara, die heilige Katharina und die heilige Margaretha auf der linken Seite der Kirche. Aus dem gotischen Zeitraum sind noch goldene Plastiken der heiligen Helena und der heiligen Katharina im Chorraum vorhanden. Das historisch wichtiges Gnadenbild aus Hannberg,  Maria mit gekreuzten Händen seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr in Hannberg, sondern ist in der Kapelle in Hammerbach bei Herzogenaurach zu sehen.

Weitere wertvolle barocke Statuen, wie Maria die Siegerin, die heiligen Drei Könige und der Heilige Sebastian (alle um ca. 1720-30) runden den reichen Figurenschatz der Kirche Geburt Marien’s ab.

Für die meisten Besucher der Wehrkirche in Hannberg sticht jedoch der mit über 50 Meter enorme Wehrturm ins Auge. Er ist inzwischen das Symbol für die Wehrkirche in Hannberg, mit seiner Eleganz und seiner Reichweite macht er die Wehrkirche zur „Perle des Seebachgrunds“.

Quellen

  • Kirchenführer „St. Georg Effeltrich“, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, 4. Auflage 2008
  • „Die St. Georgskirche in Kraftstoff – Ein kleiner Kirchenführer“, Hrsg: Kirche Kraftstoff, 1. Auflage 2012
  • Hans Schaub „Die Wehrkirche zu Hannberg“, Heinrichs-Verlage, Bamberg, 1. Auflage 2007