Eingang zur Wehrkirche

Eingang zur Wehrkirche

Das Örtchen Hannberg hat die längste Historie aller Orte im Seebachgrund und wird erstmals 1065 urkundlich erwähnt. Bereits seit 1300 soll es eine erste Kapelle in Hannberg gegeben haben, die im Jahr 1425 zum Kirchturm aufgestockt und bis 1464 zur Wehranlage ausgebaut wurde. Als Grundlage wurde ein Gutachten zur Bestimmung des Alters von Bauholz aus dem Jahr 2006 verwendet. Der Autor geht der Frage auf den Grund, warum die Kirche in der heute vorliegenden Art erbaut wurde und welche Einflussfaktoren es gab. 

Hannberg als „Hagenberch“ und erste Erwähnung in 1065

Im Rahmen der Besiedlung des Seebachgrunds ab 800 nach Christus wurden einzelne Orte oder Gebiete als Lehen zwischen den Bistümern und Städten aufgeteilt. In diesem Zusammenhang wird in einem Archiv des Benediktiner Frauenklosters zu Kitzingen von sechs Höfen in Hagenenberhc berichtet. Der Name Hagenberchc bedeutet hierbei „ein mit Dornen eingefriedeter Berg“. Leider ist auf diesem Archivdokument keine Jahreszahl angegeben, aufgrund der beschriebenen Inhalte vermutet man die Jahreszahl 1040. Aus wissenschaftlicher Sicht ist als erste urkundliche Bestätigung des Ortes Hannberg eine Schenkungsurkunde des Bischofs Gunter von Bamberg an das Bamberger Domkapitel aus dem Jahr 1065 zu sehen. Somit feiert der Ort Hannberg im Jahr 2015 seine 950-Jahrfeier.

Erste Kapelle um 1384

Sakristei - vermutlich erste Kapelle

Sakristei – vermutlich erste Kapelle

Wann gab es nun in Hannberg das erste mal Anzeichen einer Kapelle oder Kirche? Im ersten historischen Pfarrbuch aus Büchenbach (1450 – 1475) wird bereits vor der Erbauung der Wehrkirche von einer Kapelle in Hannberg und einem Messner gesprochen, jedoch findet sich wieder keine Jahreszahl. Auf der Suche nach einer Jahreszahl für die erste Kapelle wird als nächstes eine Abschrift des Büchenbacher Pfarrers aller Vermögensurkunden aus dem Jahr 1802 herangezogen, auf der er die Hannberger Kapelle mit ca. 1300 beziffert. Da dieses Dokument nicht im Original vorliegt, kann man die Jahreszahl leider nicht „offiziell“ verwenden. Als erste urkundliche Bestätigung der Kapelle in Hannberg kann laut Schaub das Jahr 1384 verwendet werden (vlg. Schaub, Seite 25).

Obwohl als „offizielle Jahreszahl nur die 1384 verwendet werden kann, bestärken bautechnische Hinweise und Vergleiche zu ähnlichen Kirchbauten in der Region die These, dass die erste Kapelle bereits um 1300 in Hannberg stand. Die Kapelle hatte damals schon zwei Stockwerke, die Umrisse des heutigen Chorraumes von 8,70 m x 8,35 m und eine Verlängerung in Richtung heutiger Taufkapelle von ungefähr 10 m. Eine Untersuchung der Bausubstanz der heutigen Kirche bestätigt, dass das Erdgeschoss der Kirche bereits aus dem 14. Jahrhundert, wahrscheinlich schon aus dem Jahr 1300 stammt.

Ausbau des Kirchturms um 1425

Schawarchttürmchen Hannberg

Schawarchttürmchen Hannberg

Laut Schaub wurde bereits im Jahr 1425 die vorhandene Kapelle um zwei Stockwerke aufgestockt. Er wendete hierbei das dendrochronologisches Verfahren zur Bestimmung des Alters des verwendeten Bauholzes an. Bei dem Ausbau blieb die ursprüngliche Grundfläche von 8,70 m x 8,35 m erhalten. Die Schallfenster auf der Nord- und Südseite wurden zugemauert und der Turm um zwei weitere Stockwerke erhöht. Von seiner ursprünglichen Höhe von 25 m wuchs er auf stolze 52 m.

Da der frühere Turm in seiner Ausführung sehr schlicht gehalten war, wurde er bis 1425 um Verzierungen und umlaufende Gesimse bei den Stockwerken noch verschönert. Ein besonderes Schmuckstück sind die vier Schawarchttürmchen, die eine sechseckige Form haben. Sie sollten den Verteidigern die Möglichkeit zur Ausschau nach dem Feinde geben und im Angriffsfall die Kirchenglocken läuten.

Markgrafenkrieg führte zur Befestigung der Kapelle

Im 1. Markgrafenkrieg 1449/50 zwischen den Markgrafen Albrecht Achilles von Bayreuth-Ansbach und der Stadt Nürnberg kam es zu Verwüstungen der Orte im Seebachgrund. An nur zwei Tagen wurden die einzigen drei befestigten Wehranlagen des Seebachgrundes, Büchenbach, Schloss Weisendorf und Schloss Neuenbürg, von den Soldaten der Nürnberger Reichsstadt ohne große Anstrengung eingenommen und zerstört. Die beiden Schlösser Weisendorf und Neuenbürg wurden durch 80 Nürnberger Reiter an einem Tag eingenommen. Ein Wassergraben, wie es das Schloss in Neuenbürg damals besaß, bot offensichtlich keinen ausreichenden Schutz gegen Angriffe. Darüber hinaus wurde die Kirche der Stadt Emskirchen eingenommen und von den Soldaten aus Nürnberg inklusive der darin befindlichen Bürger verbrannt. Lediglich der Geistliche und das Allerheiligste durften die Kirche verlassen. Diese Ereignisse machten den Bewohnern aus Hannberg deutlich, dass sie ihre Kapelle und den Ort befestigen mussten und darüber hinaus weitere Verteidigungs- und Fluchtmaßnahmen einbauen mussten.

Als Folge wurde die Kapelle in Hannberg im Zeitraum 1450 bis 1500 zu einer befestigten Kirchenburg ausgebaut. Dabei wurde durch eine bis zu 7 m hohe Ringmauer die komplette Kirche umgeben. Die Wehrtürme hatten Schießscharten nach außen und nach innen, da bei der Erstürmung der Wehrkirche die Angreifer auch innerhalb der Wehranlage beschossen werden konnten. Die Verteidiger auf den Wehrtürmen waren hierbei relative gut geschützt, da die Türme nur über eine Leiter von außen in den 1. Stock begehbar war, die danach nach oben gezogen wurde. Die Bevölkerung sollte sich in der Kirche zurückziehen, die durch kleine Schlitzfenster auch eine burgähnliche Konzeption hatte. Heute sind die kleinen Schlitzfenster nur noch an der Nord- und Ostseite vorhanden, ansonsten wurde sie durch breitere Fenster ersetzt. Sollten auch die Wehrtürme erstürmt worden sein, so gab es nur noch zwei Auswege: Die Flucht nach oben in den Kirchturm oder über die unterirdischen Gänge von der Kirche nach außen. Ja, es gab unterirdische Gänge in Hannberg, einer der wenigen zugänglichen Gänge wurde im Juni 2013 in einer Begehung dokumentiert und fotografiert (separater Aufsatz auf dieser Homepage im Juli 2013).

Bau der Wehranlage bis 1461 – 64

Nordturm mit Schießscharten

Nordturm mit Schießscharten

Da archivalische Quellen fehlen, die den Zeitpunkt der Erbauung der Wehrkirche eindeutig belegen können, muss man auf alternative Verfahren zurückgreifen. Hierbei wurden zwei unterschiedliche Verfahren angewendet, die im Folgenden kurz dargestellt werden.

Der Autor Hans Schaub beruft sich in einem Buch „Die Wehrkirche zu Hannberg“ (2007) auf ein Verfahren zur Messung des Alters des verwendeten Holzes (dendrochronologisches Verfahren). Auf Basis eines Gutachtens aus dem Jahr 2006 wird das zum Bau von Dachstühlen der Wehrtürme verwendete Holz auf das Jahr 1461 – 1464 datiert. Deshalb folgert Schaub, dass die Entstehung der Wehrkirche auf diesen Zeitraum zu datieren sei. In Ergänzung wurde das Alter des Holzes des Dachstuhls der Taufkapelle auf 1487 datiert. Auf die Frage, ob nicht möglicherweise bei dem Bau der Dachstühle bereits Jahre vorher geschlagenes Holz verwendet wurde, zitiert Schaub Experten aus dem Holzgewerbe: „Da es zum Zeitpunkt des Wehrkirchenbaus keine Sägemühlen gab, musste das gesamte Gebälk eines Gebäudes per Hand behauen werden. Dies war nur im “grünen” Zustand möglich, das heißt Fichten oder Kiefer kann man nur innerhalb eines Jahres schlagen, Eichen innerhalb von zwei Jahren. Es ist zwar möglich, dass der beschlagene Baum etliche Jahre liegen blieb und dann im Gebälk verarbeitet wurde. Dies ist möglich, wird im dem dendrochonologischen Verfahren jedoch als Ausnahme bewertet. Durch eine große Vielzahl von Proben im Jahr 2006 hat man versucht, diesen Fall möglichst auszuschließen. Somit ist die Bestimmung der Jahreszahl 1461 – 64 als die wissenschaftlichste Methode und gilt als ziemlich sicher, jedoch nicht als 100% sicher.

Jahreszahl 1486 Außenwand Kirche

Jahreszahl 1486 Außenwand Kirche

Alternativ hat der langjährige Schuldirektor Robert Noppenberger eine andere Erklärung, die für eine Fertigstellung der Wehrkirche im Jahr 1486 spräche. Auf der südlichen Seite des Wehrturmes befindet sich eine Jahreszahl, die von den damals wirkenden Steinmetze als eine besondere Jahreszahl in den Turm angebracht wurde. Da die Zahl nicht eindeutig zu entziffern ist, liest Noppenberger die Jahreszahl 1486 als Beleg für die Fertigstellung der Wehranlage Hannberg. „Der Einser hat einen Schnörkel, die zweite Ziffer Acht ist nach oben offen, das ist ein halber Achter, ein Vierer. So hat man damals die Vier dargestellt.“ Die Schlussfolgerung von Noppenberger lautet nun: Die Steinarbeiten des Kirchturms wurden um 1486 abgeschlossen, die Holzarbeiten an der angrenzenden Taufkapelle wurden im darauf folgenden Jahr weitergeführt, was durch die Holzproben des Dachstuhles von 1487 belegt würde.

Wer half beim Erbau der Wehrkirche und woher kam das Material?

Als Architekt und Baumeister der Kirche in Hannberg wird der Nürnberger Stadtbaumeister Hans Behaim d.Ä. gezählt, der in Nürnberg die Mauthalle und die Kaiserstallungen geschaffen hat. Es bleibt die Frage, wie eine Wehranlage dieser Größenordnung erbaut werden konnte. Es ist anzunehmen, dass der Baumeister ein fundiertes Wissen über den Bau von Wehrkirchen besaß und somit sein Konzept einer befestigten Kirche mit Hilfe der Bauern, Steinmetze und Hilfsarbeiter umsetzen konnte. Bei der Erstellung der Wehrkirche mussten große Sandsteinblöcke gebrochen werden. Voraussichtlich kamen diese Steinblöcke aus Großenseebach und Dechsendorf. Diese Blöcke mussten mit Hand gebrochen werden und nach Hannberg transportiert werden. Die Steinmetze bearbeiteten die Blöcke und weisten ihre Tätigkeit durch ihr Zeichen aus. Die Steinmetzzeichen sind teilweise heute noch zu sehen, wie z.B. das “liegende T”. Die Steinmetze wurde auf Basis der Anzahl der von ihnen bearbeiteten Steinblöcke in Form von Geld oder Verpflegung bezahlt. Die Erbauung der Wehranlage wurde darüber hinaus durch die Arbeit der vor Ort lebenden Bevölkerung, größtenteils Bauern durchgeführt.

Quellen

  • Schaub, Hans „Die Wehrkirche zu Hannberg“ Heinrichs-Verlag, 2007
  • Noppenberger, Robert „Was ist das besondere der Hannberger Wehrkirche?“, www.wehrkirche-hannberg.de (unter Aktuelle Aufsätze), 2013