Heilige Katharina

Heilige Katharina

Die Kirche Geburt Mariens in Hannberg ist neben der Hauptfigur der Gottesmutter Maria stark von der Figur der Heiligen Katharina geprägt. Nicht nur die Tatsache, dass der Vorläufer der jetzigen Kirche eine Katharinenkapelle war, so war ihr in der ersten Kircheneinrichtung um 1500 ein eigener Katharinenaltar gewidmet. Unsere Nachforschungen zeigen auf, dass die heutige Katharinenfigur nicht mit der ursprünglichen übereinstimmt und vertauscht wurde. Wer war die historische Katharina? Welche Katharinenfiguren in der Wehrkirche sind noch heute ein Zeichen ihrer früheren Bedeutung? Wer war Katharina eigentlich?

Die Legende der Katharina

Die christliche Lehre bezieht sich bei der Heiligen Katharina auf die Legende der Katharina aus Alexandria in Ägypten. Katharina war die schöne Tochter des heidnischen Königs Costus in Alexandria, sie wurde von einem Eremiten zum christlichen Glauben geführt. Als der römische Caesar Maximinus Christen zum Märyrertod verurteilte, trat sie ihm entgegen und verteidigte Christus. In einer öffentlichen Diskussion um Christus versus Heidentum bot der Caesar 50 seiner besten Philosophen auf, die Katharina mit klugen Argumenten und großer Leidenschaft überzeugte, zum Christentum überzutreten. Daraufhin verurteilte sie Maximinus zum Tod durch „Rädern“, d.h. sie sollte durch zwei Räder auseinandergerissen werden. Ein Engel zerstörte jedoch die Räder und erlöste Katharina. Daraufhin wurde Katharina auf Maximinus Geheiß durch das Schwert enthauptet. Ihr Körper wurde durch Engel zum Berg Sinai gebracht (vgl. Wikipedia Heilige Katharina).

In der Kunst wird Katharina mit den Symbolen Schwert und Rad für ihre Folter, dem Buch für ihre Gelehrtheit und der Krone aufgrund ihres Martyriums dargestellt. Im Volksglauben ist sie die Beschützerin der Mädchen, Jungfrauen, Gelehrten und Philosophen.

Katharina bei den „Drei Madl“

In fränkischen Kirchen findet man oft die Heilige Katharina zusammen mit der Heiligen Barbara und der Heiligen Margareta zusammen. Auch in Hannberg ist auf der linken Seite des Kirchenschiffes an der Wand über dem Beichtstuhl eine Figurengruppe angeordnet, die im Volksmund die „Drei Madl“ genannt werden. Ein bekannter Vers aus unserer Gegend beschreibt:

Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sin die heiligen drei Madl.

Diese drei Heiligen waren früher in der Dorfkirche sehr wichtig, da die Frauen nach der Entlassung aus der 7. Schulklasse in der Sonntagsschule auf das christliche Leben vorbereitet wurde. In der Hannberger Kirche werden die die drei Figuren als die Heilige Margaretha, die Heilige Barbara und die Heilige Katharina aus. Sie verwenden bei der Identifizierung der Statuen vor allem verwendeten Symbole.

Auf der linken Seite steht somit die Heilige Margareta  mit dem Kreuz in der Hand, dem Attribut der Heiligen Margareta. In der Mitte steht die Heilige Barbara mit dem Kelch in der Hand. Auf der rechten Seite die Heilige Katharina mit ihrem Symbol, dem Schwert in ihrer Hand.

Bei genauerer Betrachtung der Heiligen Katharina zeigt sich jedoch, dass die als Katharina bezeichnete Figur ursprünglich kein Schwert hatte, da dieses nachträglich eingefügt wurde. Man kann zum Beispiel erkennen, dass das Schwert mittels eines Nagels auf den Fuß genagelt wurde, was für einen Künstler der Gotik undenkbar war. Somit verstärkt sich der Verdacht, dass die heutige Katharina früher eine andere Identität hatte. Vermutlich war die jetzige Katharina früher eine Heilige Barbara. Die heutige Heilige Margareta auf der linken Seite hat ein Buch in der Hand, was das eigentliche Symbol der Heiligen Katharina ist. Nachforschungen haben gezeigt, dass die heutige Margareta neben ihrem Buch (was man nicht entfernen konnte) in der zweiten Hand ein Schwert besaß, also die eigentliche Heilige Katharina war. Beide Figuren sind kunsthistorisch wertvolle gotische Figuren, erstellt um 1475 in einer Nürnberger Holzschnitzerwerkstatt.

In der Mitte steht die Heilige Barbara mit ihrem Symbol, dem Kelch. Auch bei dieser Figur gibt es nun interessante Hinweise auf eine Identitätsveränderung in der Hannberger Kirche. Fotos aus dem Jahr 1922 (vgl. Schaub, S. 174) zeigt nun die heutige Barbara mit einem Schwert in der Hand in der Rolle der Heiligen Katharina. Somit war auch diese Figur eine Heilige Katharina.

Alle drei Figuren haben ihre Identität verloren. Belegt wird diese These durch einen archivalischen Beleg von 1624 (Diözesanarchiv Würzburg): „Hoher Altar ist Mutter Gottes, Heilige Katharina, Heilige Barbara, schöne geschnitzte … linker Altar ist Anbetung und Opfergabe der Heiligen Drei König, der rechte Altar ist der heiligen Katharina geweiht“.

Somit war die heute als Heilige Barbara verehrte Katharinenfigur  in der Hannberger Kirche um 1500 die Hauptfigur des des gotischen Katharinenaltars auf der rechten Seite.

Der frühere gotische Katharinenaltar

Hl. Barbara, früher Hl. Katharina

Hl. Barbara, früher Hl. Katharina

Vor der Umgestaltung der Kirche Geburt Marien’s im Zeitalter des Barock war der rechten Seitenaltar der Katharinenaltar. Laut einer Beschreibung des Pater Gammans im Jahr 1612 wurde der linke Altar als „… Katharinenaltar mit einer vergoldeten herrlichen Statue (der Katharina) und anderen Jungfrauen ..“ beschrieben (vgl. Schaub, Seite 101). Die beschriebene Statue ist heute auf der linken Seite des Kirchenschiffes in Form der heutigen Heiligen Barbara (mittlere Figur der „Drei Madl“) zu finden. Sie ist eine gotische Holzschnitzfigur, die um ca. 1485 in Nürnberg erstellt wurde. Die heutige Heilige Barbara hat in ihrer rechten Hand einen Kelch, der nachträglich eingefügt wurde. Ursprünglich befand sich in dieser Hand ein Schwert als Zeichen der heiligen Katharina. Leider musste die ursprüngliche Heilige Katharinenstatue ihre Identität verlieren und wurde zur heutigen Heliigen Barbara „umfunktioniert“.

Laut der Beschreibung von Gammans war die heilige Katharina zusammmen mit zwei gotischen Reliefs in einem Flügelaltar, wie er in der Gotik häufig anzutreffen war. Die beiden Reliefs finden sich heute im Chorraum. Das eine Relief stellt die heilige Helena mit einem Kreuz in der linken Hand dar. Das zeite Relief stellt die heilige Barbara mit einem Kelch in der rechten Hand dar. Beide Reliefs sind kostbare gotische Kunstwerke und wurden um ca. 1510 in einer Nürnberger Schnitzwerkstatt hergestellt und stellt die kunsthistorische wertvollsten Statuen der Wehrkirche Hannberg dar.

Der Katharinenaltar war in der Gotik ein Steinaltar, auf dem vermutlich ein Flügelaltar aus Holz stehte. Der Steinaltar ist heute noch vorhanden, ist jedoch von dem 1720 erstellten barocken Holzaltar überbaut worden. Es ist möglich, den linken Holzaltar zu öffnen, darunter findet sich der originale Katharina-Steinaltar.

Katharina im früheren gotischen Hauptaltar

Wie muss man sich den Hauptaltar der Kirche Geburt Marien’s um 1500, das heißt ca. 40 Jahre nach Fertigstellung der Wehrkirche vorstellen? Der heutige barocke Hauptaltar war damals noch nicht vorhanden. Es war ein gotischer Steinaltar im Mittelpunkt des Chorraums. Auf dem Steinaltar war wahrscheinlich ein Flügelaltar aus Holz zu finden, der in der Mitte die Figur der Maria mit dem Kind hatte. Nach einer Beschreibung der Kirche von Pater Gammans um 1653 fand sich auf der linken Seite der Mutter Gottes die Heilige Katharina, auf der rechten Seite die Heilige Barbara, beide Figuren aus der heutigen „Drei Madl“ Gruppe.

Somit könnte man den gotischen Hauptaltar um 1500 folgendermaßen nachvollziehen:

Barocke Katharinenfigur im Chorraum

An der Nordseite des Chorraums zwischen den beiden Reliefs der heiligen Helena und der heiligen Barbara stseht die heilige Katharina. Sie ist eine barocke Figur, die um ca. 1730 angefertigt wurde. Majestätisch mit höfischer Eleganz wendet sich ihr Blick dem Altar zu. Ihre feinen Züge gleichen der Madonna am linken Seitenaltar.

Die elegante Katharina hält in ihrer linken Seite ein Schwert als Symbol ihres Martyriums.

Quellen:

  • Katharina auf Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_von_Alexandrien
  • Hans Schaub „Wehrkirche zu Hannberg“, Bamberg 2007