Dieser Artikel wurde von Luitpold Maier am 10. Januar 1936 in den Herzogenauracher Nachrichten veröffentlicht. Er beschäftigt sich mit den Auswirkungen des 30-jährigen Kriegs auf Herzogenaurach und die Orte im Seebachgrund. Vor allem die Beschreibung der Plünderung der Wehrkirche Hannberg an dieser Stelle für uns von großer Bedeutung. 

Landsknechte

Landsknechte

Die für Herzogenaurach bestehende Gefahr eines allenfallsigen Einbruchs in das Bamberger Land durch die verbündeten schwedischen Heere drohte auch den wehrlosen Ortschaften unseres Amtes. Nachdem der im Herbst zwischen dem Bamberger Bischof und Gustav Adolf abgeschlossene Vertrag wegen Überlassung der beiden Festungen Forchheim und Kronach nicht zur Ausführung gelangte, war man vor allem darauf bedacht, die südliche Landesleitung Forchheim zu verstärken. Tilly gelang es, bevor die Schweden genügend Truppen zum Sturm auf Forchheim bereitgestellt hatten, über Lauf an der Pegnitz und Neunkirchen neue Regimenter dorthin zu legen, was andererseits wiederum eine ständige Bedrohung der angrenzenden markgräflichen und nürnbergerischen Orte bedeutete. Der schwedische General Horn hielt es sogar für ratsamer, seine Truppen aus Bamberg zurückzuziehen, welches sich am 11. Februar übergeben hatte und stark geplündert wurde. Im Dom fand damals sogar ein protestantischer Gottesdienst statt. Die ganze Gegend war wieder einmal der Schauplatz des besonders von der wehrlosen Landbevölkerung so gefürchteten Kleinkrieges.

Am 9. Dezember gegen Mittag brachen plötzlich 10 feindliche Reiter in Niederndorf ein und durchsuchten in aller Eile die Bauernhäuser, wobei es ihnen hauptsächlich auf Vieh ankam. Unter Mitnahme einer ganzen Herde erklärten sie, daß sie nur die Vorboten seien, heute Nacht werde es in Herzogenaurach noch blutige Köpfe geben.

An diesem Tage war ein Herzogenauracher Beck in Unterreichenbach und mußte dort erfahren, daß Tags zuvor eine Kompanie schwedischer Reiter in Hagenbüchach angekommen und übernachtet wäre, mit dem Vorhaben, Herzogenaurach zu überfallen. Sie mußten aber hören, daß sie allein kaum mächtig zu dieser Tat wären, weshalb sie verlauten ließen, sie wollten nach Herbeiholung einer Verstärkung nächsten Tag oder Nacht Herzogenaurach plündern. Die Untereichenbacher, eigentlich unsere Feinde, baten den Bäcker gar herzlich, er möchte mit Weib und Kindern das Städtchen verlassen; denn die wilden Gesellenwürden sicher Ernst machen.

Am 13. Dezember schrieb der Fürstbischof dem Markgrafen, er habe heute Nacht Nachricht erhalten, daß eine Kompanie Reiter und 100 Musketiere nach Herzogenaurach ziehe, dieses auffordern und plündern wollen.

Bessere Nachrichten brachte ein Herzogenauracher Bürger und Winfuhrmann, der fast alle Wochen ins Land zu Franken fuhr, daß im Frankenland (Unterfranken) weniges feindliches Volk sei. Nur zu Kitzingen sollen 100 Mann und im Würzburgischen nicht mehr als 3 Regimenter schwedisches Volk liegen. (Der Schwedenkönig war nach Frankfurt und an der Rhein abgezogen.)

Angreifer mit Hakenbuchse

Angreifer mit Hakenbuchse

Schlimm sah es um die Jahreswende in unserem Seebachgrundes aus. Am letzten Dezember des Jahres 1631, vor Eintritt der Dämmerung setzten 100 Reiter des Grafen von Solms in das Dorf Hannberg und plünderten die Kirche, wo sie unter anderem einen Kelch mitnahmen. Den Pfarrherrn Friedrich Dürbeck erwischten sie im Kirchhof – wahrscheinlich dachte er, sie von ihrem unchristlichen Vorhaben abzubringen – und haben den Herrn übel getraktiert, geschlagen und fast schier ganz denselbigen verwind bis auf den Tod, wie die Gotteshauspfleger Johann Bauer und Johann Dorsch an Michael Müßig, fürstlich bambergischen Postmeister in Forchheim bei dem Einhorn berichten, dann ihn in der allergrößten Kälte, nur wie der gegangen und gestanden, mit sich wie einen Hund nach Nürnberg geschleppt.

Hier lag er, wie aus seinem kaum leserlichen Schreiben und aus dem Briefe des Büchenbacher Amtmanns zu ersehen ist, bei einem Fischer Ulrich in Quartier, war mit 130 Reichstalern Lösegeld belegt worden, die der Fischer für ihn vorstreckte, gar übel und armselig, indem ihm zwei Rippen im Leib zerschlagen worden, zu geschwiegen viel anderer großer Schläg, Streich und offener Wunden, über die die Barbierer gehen und kurieren. Johann Kötzner, Pfarrer und Ruraldechant zu Herzogenaurach, und Georg Köß, Pfarrer in Büchenbach, verwenden sich beim Fürstbischof für ihren geistlichen Mitbruder.

Die Schwedischen hatten auch einen Hannberger Bauer gezwungen, ihnen den Weg nach Baiersdorf zu zeigen. Als sie dort hin kamen, nahmen sie den Fähnrich und Quartiermeister des kaiserlichen Obristen von Salis zu Forchheim gefangen und verwundeten den Aufwärter des Fähnrichs durch 3 Schüsse schwer.

Diese bislang unbekannten Einzelheiten aus dem Schwedenkriege in unserer Umgegend verdanken wir hauptsächlich den Forschungen unseres leider zu früh dahingegangenen Heimatfreundes Bernhard Dietz, der dieses Gebiet anläßlich der 300-jährigen Wiederkehr des Schwedeneinfalls in unser Frankenland 1931 in den Staatsarchiven Bamberg und Nürnberg eingehender untersuchte.