Ein Mittelalterkrimi: „Warum Margareta heute eine Katharina ist und Barbara einst in der Mitte der Heiligen Drei Madl zu Hannberg stand? Fragen, die in der Hannberger Kirche eine Rolle spielen und die geklärt werden wollen. Ein ganz realer Krimi aus vergangener Zeit. Pressenotiz aus den Nordbayerischen Nachrichten aus dem Jahr 2007 von dem Heimatforscher Dr. Hans Schaub (Auszug aus seinem Buch „Die Wehrkirche Hannberg). 

Drei Madl

Drei Madl

Hannberg – Wer kennt ihn nicht den bekannten Spruch bei Kirchenführungen in fränkischen Kirchen?

„Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die heiligen drei Madl.“

Diese in fränkischen Dorfkirchen häufig anzutreffenden drei Heiligen waren früher sehr wichtig, galten sie doch als Vorbild für die weibliche Jugend, wenn sie nach der Entlassung aus der siebten Volksschulklasse für die nächsten drei Jahre die Christenlehre in der Sonntagsschule besuchen mussten. Margareta, die nach der Legende wegen ihrer Treue zum christlichen Glauben und zur Jungfräulichkeit enthauptet wurde. Sie wird mit dem Teufel als Wurm, Kruzifix oder Palmzweig dargestellt. Sie gilt als Patronin der Jungfrauen, Frauen und zählt zu den 14 Nothelfern.

Drei Madl

Drei Madl

Barbara, die als Christin vom eigenen Vater in einen Turm gesperrt wurde und einen qualvollen Martertod starb, gehört ebenfalls zu den 14 Nothelfern. Sie ist Schutzpatronin vieler Berufe. Ihre Attribute sind Kelch und Turm. Katharina gilt nach der Legende als hoch gebildete Jungfrau, die im Disput mit 50 heidnischen Philosophen ihren christlichen Glauben verteidigte und anschließend zum Tod durch Rädern verurteilt wurde. Somit wird sie mit Rad, Buch, Schwert und Krone dargestellt. Als eine der 14 Nothelfer ist sie Patronin vieler Berufe, insbesondere der Gelehrten.

Heute sind diese drei Heiligen als Dreiergruppe auf der linken Seite des Hannberger Kirchenschiffes zu sehen. Kann es aber sein, dass diese drei Heiligen ihre eigentliche Identität aufgeben mussten, früher eine andere Heilige verkörperten, um in das gewünschte Ensemble der Kirche zu passen oder für die damalige Christenlehre als Vorbilder geeignet zu sein? Ohne Zweifel sind alle drei Heiligen wertvolle Schnitzarbeiten, leicht zu erkennen an den fein ausgearbeiteten Faltenwürfen der Kleidung und dem Gesamtgefüge ihres Ausdruckes bei jeder einzelnen Statue. Sie kommen aus der Hand Nürnberger Schnitzermeister, wobei die beiden äußeren Figuren aus der gleichen Werkstatt kommen und um 1450 entstanden sind.

Auf Grund ihrer zueinander geneigten Blickrichtung standen sie früher beide am selben Platz in der Kirche. Die mittlere Figur mit stark ausgeprägter majestätischer Haltung, etwas größer als die beiden anderen, wiederum mit feinem Faltenwurf, wurde zwei bis drei Jahrzehnte später geschaffen, um 1475.

Heilige mussten Altären weichen

Hl. Barbara (früher Katharina)

Hl. Barbara (früher Katharina)

Betrachtet man die linke Figur genauer, so sieht man, dass sie in der linke Hand das Buch hält, was ein wichtiges Kennzeichen der heiligen Katharina ist. Dieses Attribut konnte man ihr nicht wegnehmen, da der Bildschnitzer es mit der Hand verbunden hat. Die rechte Hand hält einen Palmenzweig, das Attribut der heiligen Margarete, es passt aber nicht in die weit geöffnete Hand. Sie ist zu offen, sie hielt früher ein Schwert am Schaft, das in der Vertiefung des Faltenwurfes am Fuß aufgesetzt war. Somit war die jetzige Margareta früher eine Katharina.

Die mittlere Figur, heute Barbara, hält in der rechten Hand einen Kelch. Dieser Kelch ist am Ende der Barockzeit, also 300 Jahre später entstanden, auch sie hielt früher ein Schwert. Vielleicht lehnte früher an ihren Füßen noch ein Rad. Sie war früher ebenfalls eine Katharina. Die rechte Figur, heute Katharina, hält in ihrer Hand so unnatürlich ein Schwert aus der Spätbarockzeit, zu groß im Gefüge, ein Fremdkörper, der nicht dazu passt, weswegen die Schwertspitze mit einem kleinen Nagel an der Figur festgenagelt wurde, für einen Holzschnitzer ein Frevel. Ihre weit geöffnete rechte Hand hielt früher einen Kelch. Sie war früher eine Barbara.

Somit haben alle drei Statuen ihre Identität verloren. Gestützt wird diese kunsthistorische Analyse durch einen archivalischen Beleg von 1624 aus dem Diözesanarchiv Würzburg: „Hohe Altar est B.M.V (Marienstatue, heute noch im Hauptaltar), S. Catharina, S. Barbara, schöne geschnitzte…. Linke Altar ist Anbetung und Opfergabe der Hl. Dreikönige, der rechte Altar ist der hl. Catharina geweiht…“. Verloren haben diese drei Heiligen ihren ursprünglichen Platz in der Kirche während der Barockisierung der Kirche 1721, da ganz neue Altäre geschaffen wurden, wie wir sie heute noch vorfinden. Ob die drei Heiligen aus der Kirche genommen wurden oder an andere Stelle einen neuen Standplatz fanden, ist nicht bekannt.

Ein Foto aus dem Jahre 1922 zeigt Katharina allein über den linken Beichtstuhl mit dem Schwert in der Hand und Barbara mit einem Kelch über dem rechten Beichtstuhl. Der Verbleib der kleineren Katharina ist auf dem Bild von damals nicht zu erkennen. Im Jahre 1936 fand eine aufwändige Renovierung des Innenraums der Kirche statt. Hier haben alle drei eine neue, eine aufgezwungene Identität  erhalten. Es bleibt zu fragen, ob sie mit ihrer neuen Aufgabe zufrieden sind oder ob man ihnen nicht aus historischer Sicht ihre Identität wieder zurück geben sollte.

Scan 51