Kirchturm in Hannberg

Kirchturm in Hannberg

Am 6. Januar 1865 zog gegen Mittag ein schweres Gewitter über Franken. Laut der Darstellung des Pfarrer Johann Baptist Igl schlug um 12:30 Uhr der Blitz in den Kirchturm und innerhalb von 12 Sekunden hinterließ er einen Weg der Verwüstung (siehe Schaub):

  • Einschlag an der Helmstange des Daches, wo Schiefer- und Ziegelbedachung sich berührten
  • Feuer bahnte sich aus, über den Glockenzug zu den Glöckchen im Presbyterium
  • Übersprung auf den Hochaltar
  • Anzündung der Goldstäbchen beim Tabernakl, versenkte Muschel und Kruzifix
  • Übersprung auf den Leuchter
  • Verbrennung der Bedeckung des Altartisches
  • Übersprung an eine Mauer und schlug ein 3“ tiefes Loch in das Gestein, der Altartisch blieb unberührt.

Man kann sich kaum vorstellen, was sich innerhalb weniger Sekunden an jenen Dreikönigstag im Hannberger Turm und im Chorraum abgespielt hat. Die herbeielenden Bürger, der Pfarrer und der Messner konnten mit großer Mühe das Feuer zum Erlöschen bringen. Aus Besorgnis, dass das Kirchengewölbe einstürzen könnte, wurden die wichtigsten christlichen Utensilien aus dem Kirchengebäude gebracht. Der Pfarrgottesdienst wurde für eine bestimmte Zeit in der Filialkirche zu Großdechsendorf abgehalten.

Kurioserweise schlug am gleichen Tag der Blitz nicht nur in den Kirchturm von Hannberg ein, sondern auch in den Kirchturm der Lorenzkirche in Nürnberg. Das Gewitter hatte sich vom Seebachgrund bis nach Nürnberg verzogen und die Spitze der Lorenzkirche wirkte genauso wie in Hannberg wie ein Blitzempfänger.

Aufwendige Sanierung in den Vorjahren

Sanierung Kirchturm

Sanierung Kirchturm

Welche eine Tragödie war der Brand des Hannberger Kirchturms! Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Pfarrei im Zeitraum 1857 bis Herbst 1864 die Kirche mit enormen Aufwand renovierte. Es wurden Haussammlungen durchgeführt und für die damalige Zeit enorme Gelder gespendet.

Mit zusätzlichen Material und Eigenaufwand der lokalen Handwerker wurde die Kirche bis zum Festtag Maria Geburt im September wurden folgende Renovierungen abgeschlossen (siehe Schaub):

  • 1857: Anschaffung einer neuen Marienglocke, Glockengießerei Lotter, Bamberg
  • 1863: Neuer Taufstein, Maurermeister Heinrich Dengler, Heßdorf
  • 1863: Dachdeckerarbeiten, Schieferdeckermeister Hans Hollfelder, Röttenbach
  • 1864: Neue Deckengemälde, Kirchenmaler Sebastian Holzner, Amberg
  • 1864: Fassung der Statuen und Altäre mit Vergoldung, Vergolder Kotschenreuther, Zeyern
  • 1864: Neue Kirchenfenster, Glasermeister Johann Semlinger, Hemhofen.

Wiederaufbau innerhalb des gleichen Jahres

Arbeiter auf Turm

Arbeiter auf Turm

Obwohl man sich die Trauer der Menschen nach dem Brand des gerade erst sanierten Kirchturms bildlich vorstellen kann, wurde dieser innerhalb nur 8 Monaten wieder aufgebaut. Welch eine Energieleistung und welch ein Gottesfürchtigkeit kann den Bewohnern der Pfarrei Hannberg attestiert werden. Rechtzeitig zum nächsten Fest Geburt Mariens im September 1865 steht der Kirchturm in alter Schönheit. In einer Rechnung der Pfarrei an die Regierung Oberfranken vom 12. September 1865 werden eine Vielzahl von Handwerkgewerken dargestellt: Maurer, Zimmerer, Schreiner, Schlosser, Kupferschmied, Schieferdecker, Blitzarbeiter, Glockengießer, Turmuhrmacher, Seiler, Vergolderarbeiten, Orgelbauer.

Was bleibt….

Was bleibt ist der wahrhaft wehrhafte Turm der Wehrkirche, die Zierde des Seebachgrunds. Die exakte Höhe des Kirchturms wurde im Rahmen einer digitalen Höhenmessung der beiden Wissenschaftler Stefanie Meller und Jörg Grillenberger mit 51,89 Meter ermittelt. Somit konnte auch die Frage der Turmhöhe beantwortet werden, da sich hartnäckig das Gerücht hielt, dass der Turm nach dem Brand 1865 nicht mehr die magische Höhe von 50 Meter erreichte.

Als interessante Randnotiz für Zahlentheoretiker bleibt stehen: Zwischen der ersten urkundlichen Erwähnung Hannbergs und dem Kirchturmbrand liegen exakt 800 Tage. Bischof Gunter von Bamberg schenkte die Ländereien in Hannberg am 6. Januar 1065 seinen Domkapital, der Blitz schlug in den Kirchturm am 6. Januar 1865 ein. Was für ein Zufall!

Quelle

Dr. Hans Schaub „Die Wehrkirche zu Hannberg“, Heinrichs-Verlag GmbH, Bamberg, 2007