MANFRED WELKER: Artikel aus den Nordbayerischen Nachrichten vom 25.02.2015 

HANNBERG – Bischof Gunter von Bamberg (gest. 23. Juli 1065) stiftete Gefälle (das bedeutet Abgaben), unter anderem aus „Hagenberc“, für einen Jahrtag am 6. Januar 1065 an das Bamberger Domstift. Dieses Dokument ist quasi die Geburtsurkunde von Hannberg und Anlass für die 950-Jahrfeier am 8. und 9. Mai. Eines der Dorfjubiläen im Seebachgrund dieses Jahr. 

Eingangstor zur Wehrkirche in Hannberg

Eingangstor zur Wehrkirche in Hannberg

Hanns Hubert Hofmann interpretiert den Ortsnamen als „umfriedeter, umhegter Berg“. Nach dem Aussterben der Familie von Gründlach übertrug Bischof Wulving von Bamberg deren Bamberger Lehen am 22. Oktober 1315 auf Margarethe von Brauneck, eine geborene von Gründlach. Unter den Lehen auch die in „Heymbergk“, in Hannberg.

Am 23. November 1388 wurde Schloss Neuenbürg im Krieg der Nürnberger mit dem Burggrafen von Nürnberg erobert und der Seebachgrund geplündert. Auch die Hussiteneinfälle brachten Krieg nach Franken. Im Konflikt des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Bayreuth mit Nürnberg plünderten die Nürnberger zweimal 1449, ein weiteres Mal 1450 den Seebachgrund. Dadurch reifte der Entschluss, in Hannberg eine sichere Zufluchtsstätte zu schaffen. Errichtet wurde die weithin sichtbare Wehrkirche, wie ein dendrochronologisches Gutachten des Dachwerks der Türme ergab, zwischen 1461 und 1464.

Die Wehranlage hat eine Länge von rund 70 Metern, die Breite beträgt bis zu 56 Metern. Die Mauer ist zwischen fünf und sechs Meter hoch und an der Basis rund einen Meter stark. Früher war sie einen Meter höher, allerdings wurden zum Bau des neuen hinteren Schulhauses im Jahr 1879 zwei Quaderschichten entfernt. Das rechteckige Areal wird von einer Mauer eingefasst, die ehemals mit einem Wehrgang versehen war, wie der Burgenforscher Joachim Zeune herausfand, die Ost- und Nordseite sind mit runden Mauertürmen ausgestattet.

Dagegen war Wilhelm Funk der Meinung, dass die Mauer keinen Wehrgang trug. Im Süden beherbergte ein rechteckiger Turm ehemals im tonnengewölbten Erdgeschoss den Karner. Darin befindet sich jetzt ein Ölberg aus der Zeit um 1500. Im ersten Stock war die Mesnerwohnung, das Dach wird von einem Dachreiter bekrönt.

Den Eingang zur Anlage bildet ein Torhaus, dessen altes, mit Eisenbändern beschlagenes Tor noch vorhanden ist. Im linken Flügel befindet sich eine kleine Schlupftür, durch die verspätete Flüchtlinge in die Wehranlage gelangen konnten, wenn das Tor bereits geschlossen war.

In der nordwestlichen Ecke befindet sich das 1700 errichtete Pfarrhaus, ein Satteldachbau mit reichem Fachwerkobergeschoss. An das Torhaus ist ein Wirtschaftsgebäude angegliedert. Im Innenbereich des wehrhaften Kirchhofes wurden bis zur Anlage des neuen Friedhofes die Verstorbenen zur letzten Ruhe gebettet.

1926 gehörten noch 13 Dörfer zur Pfarrei Hannberg, zwölf Ortschaften schickten ihre Kinder dort in die drei Klassen umfassende Schule.

Die Wehrmauer und die Kirche konnten kleinere feindliche Verbände abhalten. Die Dimensionen des 30-jährigen Krieges übertrafen jedoch alle Befürchtungen. Aus Hannberg sind Auswirkungen der schwedischen Plünderungen im 30-jährigen Krieg überliefert. Am 31. Dezember 1631 schrieben die Heiligenmeister von Hannberg dem Kastner zu Forchheim, dass an jenem Mittwoch um die 100 Schweden die Kirche in Hannberg geplündert, den Kelch mitgenommen und den Pfarrer übel traktiert, auf den Tod verwundet, ausgeplündert und mitgenommen hätten. Sie hätten ihren Weg nach Baiersdorf genommen. Die Hannberger baten um Befreiung und Rücksendung ihres Pfarrers.

Am 4. Januar 1632 schrieben der Herzogenauracher Pfarrer Joannes Kötzner und Pfarrer Georgius Köß zu Büchenbach an den Bamberger Bischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, dass ihr Mitbruder, Pfarrer Friedrich Dürrbeckh, am Neujahrsabend in die Hand der Feinde gekommen sei, von um die 50 Solmischen Reitern auf seinem eigenen Pfarrkirchhof gefangen und misshandelt worden sei.

Ihm seien zwei Rippen entzwei geschlagen worden. Sie hätten ihn wie einen Hund nach Nürnberg geschleppt und ihm 130 Reichstaler abverlangt.

Johann Baptist Roppelt charakterisierte 1801 den Ort: „Ist mit der hohen Gerichtsbarkeit und Steuer dem Hochstift, mit der Lehen- und Vogteiherrschaft aber einem Domkapitelischen Obleyherrn unterworfen, hat einen Oberpfarrer, der jederzeit ein Kapitular des Domstifts ist und die Stelle eines Pfarrers mit einem Bambergischen Geistlichen zu besetzen hat. Die Geistlichkeit gehört übrigens zur Würzburgischen Diözes. Dem Herrn Oberpfarrer gehört auch 1/3 des Zehends, die übrigen 2/3 aber dem Domkapitel zu Bamberg. Der Ort hat eine Pfarrkirche zur hl. Maria, ein Pfarrhaus, ein Schulhaus, ein Gemeindehirtenhaus, eine mit Haus, Stadel und Nebenbau versehene Schenkstatt, ein anderes Wirtshaus, 6 andere Häuser und 4 Stadel, welche dem Amt Herzogenaurach vogtei- und steuerbar sind.“ Ursprünglich zur Diözese Würzburg gehörig, gelangte Hannberg 1802 an Bamberg.

Die Gemeinde wurde nach der Säkularisation am 7. März 1811 dem Landgericht Herzogenaurach und Rentamt Erlangen zugeordnet. Am 1. Oktober 1847 wurde die Region auch an das Rentamt Herzogenaurach überwiesen. Hannberg hatte im Jahr 1868 88 Einwohner und 34 Gebäude, 1904 war die Zahl der Einwohner auf 92 und die der Wohngebäude auf 19 gestiegen. Im Dezember 2014 lebten 403 Einwohner im Kirchdorf Hannberg.

Der Steuerdistrikt Hannberg wurde 1811 aus dem Pfarrsprengel gebildet. Die Gemeinde Hannberg wurde 1818 aufgrund ihrer Größe herausgezogen. Sie bestand aus dem Weiler Dannberg (vier Wohngebäude), Hannberg (12 Wohngebäude), dem Weiler Klebheim (neun Wohngebäude), Niederlindach (21 Wohngebäude) und Röhrach (fünf Wohngebäude).

Die ehemalige Gemeinde Hannberg mit den Ortschaften Dannberg, Hannberg, Klebheim, Niederlindach und Röhrach hatte 414 Einwohner im Jahr 1939. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1950, waren dort 665 Bewohner ansässig, darunter 253 Heimatvertriebene. Hannberg hatte eine eigene Schule und war Sitz einer katholischen Pfarrei. Der erste Bürgermeister war Johann Körner.

MANFRED WELKER

Quelle: Link http://www.nordbayern.de/region/hoechstadt/ort-oft-angriffsziel-1.4216686