Jubiläum 950 Jahre Hannberg

Maria Ausstellung im Ölberg

Maria Ausstellung im Ölberg

Am 8.-10. Mai feierte die Ortschaft Hannberg aus dem Dekanat Erlangen ihr 950-jähriges Orts-Jubiläum. Die von Weiten sichtbare Wehrkirche der Pfarrei Hannberg kann zwar erst ca. 550 Jahre aufweisen, doch spielte sie in der Geschichte der Ortschaft stets eine dominierende Rolle.

Der Sachausschuss Kunst, Kultur und Geschichte der Pfarrei hatte die Initiative übernommen, die Marienverehrung des früheren Wallfahrtsortes Hannberg wieder in das Gedächtnis der Gläubigen und Festgäste des Jubiläums zu holen. Über Jahrhunderte wurde in der Pfarrkirche Geburt Mariens ein Gnadenbild der Mutter Gottes verehrt und sie ist heute noch Patronin der spätgotisch-barocken Pfarrkirche in Hannberg. Noch in den 1950er Jahren wurden in der kleinen Mariengrotte in der Wehranlage Votivgeschenke bei der Lourdesmadonna von Gläubigen abgegeben und Maria um Genesung und Heilung von Kranken gebeten.

Zum Anlass des Jubiläumsfestes organisierte der Sachausschusses mit Unterstützung von Pfarrer Lars Rebhan eine Ausstellung von Marienfiguren mit geschichtlichem Bezug zu Hannberg. Dazu wurden vier verschiedene Marienfiguren zusammengestellt und in der Ölbergkapelle der Wehrkirche den Besuchern gezeigt. Der Sachausschuss konnte neben den beiden in der Pfarrkirche stehenden Marienfiguren, der „schönen Maria“ am Hochaltar und „Maria Siegerin“ am Seitenaltar zwei ehemalige Hannberger Marienfiguren ausleihen, die über 300 Jahre selbst in der Wehrkirche standen: die „Thronende Maria“ aus der Pfarrei „Unsere Liebe Frau“ aus Nürnberg und eine Pieta (schmerzhafte Muttergottes) das „Hannberger Gnadenbild“ aus der Hammerbacher Kapelle in der Pfarrei St. Otto Herzogenaurach.

Großer Andrang bei Maria

Hannberger Gnadenbild bei der Maiandacht

Hannberger Gnadenbild bei der Maiandacht

Bereits bei der Maiandacht am Donnerstag und zum Festgottesdienst am Bittsonntag drängten viele Gläubige in die Pfarrkirche, um die von Pfarrer Rebhan geleiteten Gottesdienste mit dem Schwerpunkt der Marienverehrung mitzufeiern. Nach dem Gottesdienst strömten die Gläubigen zum Altar, um vor allem die ehemaligen Hannberger Marienfiguren näher zu begutachten und zu bestaunen. Dies ist verständlich, waren doch beide Figuren seit 70 bzw. 125 Jahren nicht mehr in dem Gotteshaus.

Bei der Ausstellung in der Ölbergkapelle in den Tagen um das Jubiläum kamen über zwei Tage lang noch mehr Menschen in die Ausstellung, bestaunten die Schönheit der Figuren und nutzten die Kapelle für spontane Gebete. Insgesamt konnten so über 1.000 Menschen mit der Marienausstellung erreicht werden. Bereits am Samstag, den 9. Mai, als im alten Ortskern von Hannberg viel Programm für junge Familien mit Kinder stattfand, strömten immer wieder junge Menschen in die Ausstellung, um sich die Marienfiguren anzusehen und spontan in Stille zu verweilen. Am Sonntag, den 10. Mai, dem traditionellen „Bittsonntag“ waren es verstärkt die Bittgänger aus den Nachbarorten Dechsendorf, Weisendorf und Großenseebach, welche die zur temporären Marienkapelle umgewandelte Ölbergkapelle aufsuchten. Thomas Willert, vom Sachausschuss Kunst, Kultur und Geschichte war vor allem überrascht von dem großen Interesse von Personen außerhalb des traditionellen „Kirchgänger“-Mileus, die sich bei den Marienfiguren einfanden und im Gebet verweilten. „Die Besinnung und das Gebet ist in der heutigen Zeit oftmals wieder ein gesuchtes Gegenmittel gegen den hektischen Alltag. Durch Figuren und Skulpturen kann bei entsprechender Aufarbeitung neues Publikum in die Kirchen gebracht werden“, stellt Willert fest.

Ein 9-jähriges Mädchen, welches zwei Wochen vorher ihre erste Heilige Kommunion empfangen hatte, hat spontan eine Kerze für ihren krebskranken Großvater angezündet und um seine Genesung gebetet.

Verschiedene Marienfiguren

In der Maiandacht am 8. Mai ging Pfarrer Rebhan auf die verschiedenen Darstellungen der Mutter Gottes ein.

Maria Ausstellung im Ölberg

Maria Ausstellung im Ölberg

Die barocke Figur „Maria die Siegerin“ aus der Pfarrkirche Hannberg symbolisiert den Sieg Marias über Tod und Satan, der in der barocken Statue in Hannberg als Schlange unter den Füßen Marias dargestellt wird. Die zweite Figur, das spätgotische Bild „Maria mit Kind“, steht seit Errichtung der Kirche im Jahr 1485 zentral im Hauptaltar. Sie symbolisiert die Rolle Marias als fürsorgliche Mutter und Heilsvermittlerin und wurde als lebensgroßes Fotobild mit in die Ausstellung aufgenommen.

Die „Thronende Maria“ aus der Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ aus Nürnberg ist ebenso eine Maria mit Kind, jedoch ist ihr Gesichtsausdruck sehr verklärt und trägt zusätzlich schmerzhafte Züge. Sie wurde nach dem zweiten Weltkrieg von Hannberg nach Nürnberg gegeben, da viele Kirchen und dazu Inventar in Nürnberg bei den Angriffen der Alliierten beschädigt wurden.

Höhepunkt der Ausstellung war die aus der Pfarrei St. Otto Herzogenaurach ausgeliehene Pietá, das ehemalige Hannberger Gnadenbild. Es handelt sich um eine Maria mit verschränkten Händen, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält. Diese Marienfigur wurde bereits 1653 von dem damaligen Pfarrverweser Pater Gammans aus Sambach beschrieben. Laut Gammans wurde die Marienfigur als Vesperfigur von vielen Gläubigen in und um Hannberg stark verehrt und machte Hannberg Mitte des 17. Jahrhunderts zum Wallfahrtsort. Die Mariendarstellung der Pietá erfuhrt von Menschen im späten Mittelalter große Verehrung, da sie durch ihr schmerzhaftes Erscheinungsbild am meisten das Leiden und die Not der einfachen Menschen widerspiegelte.

Ergänzt wurde die Marienausstellung durch mannsgroß gedruckte Mariengebete und –lieder. Das Mariengebet zur Muttergottes von der immerwährenden Hilfe und das Mutter-Gottes-Lied von Hannberg wurden von Gläubigen spontan gebetet und angestimmt und erinnerten an die frühere Marienverehrung.

Historischer Bezug zur Marienverehrung in Hannberg

Pfarrer Rebhan wählte in seiner Predigt am Bittsonntag das Thema der historischen Marienverehrung in Hannberg. Pater Gammans berichtet in einem Dokument von 1653 (siehe das Buch „Die Wehrkirche zu Hannberg“ von Hans Schaub), von einer Marienerscheinung bei Hannberg. In dem historischen Dokument, welches noch heute in der Universitätsbibliothek in Würzburg einzusehen ist, wird folgende Geschichte erzählt (freie Übersetzung):

„Ein Gefangener in Fesseln lag in einem Kerker eines Turmes bei Baiersdorf am Fluss Regnitz, zwei Wegstunden oberhalb von Forchheim. Diesen Gefangenen begegnete in der Nacht die heilige Jungfrau. Der Gefangene hatte ein Verbrechen begangen und Schuld auf sich geladen. Sie ermahnte ihn, seine Sünde zu bereuen. Solle er sich der Maria im Ort Hannberg feierlich geloben, werde er von seiner Schuld befreit und seine Fesseln verlieren. So geschah es. Unter seinem Kopfkissen fand er einen Nagel, einen sogenannten Schiennagel, mit dem er die Steine der Mauer und seine Fesseln lösen könne. Unter göttlicher Führung kam er in einen Ort, der ihm bekannt vorkam. Er fragte den Wächter dieses Ortes: Wo bin ich? Du bist in Hannberg. Als der Gefangene nun erfuhr, dass er wirklich in Hannberg war, wie von der Heiligen Jungfrau vorhergesagt, da wollte er in die Kirche gehen und seine mitgebrachten Fesseln als Weihegabe darbieten.“

Weiterhin berichtet Gammans, dass neben dem Vesperbild (Gnadenbild) im Chorraum hölzerne Balken angebracht waren, dicht und querliegend, durch Nägel zusammengefügt, die für die Aufhängung von Weihegaben vorgesehen waren. Daran sollen Votivgaben der Gläubigen und große Hand – und Fußfesseln angebracht worden sein.

 Ausblick

Was zeigt das Beispiel der Marienausstellung aus Hannberg?

Sachausschuss KKG

Sachausschuss KKG

Die Gesellschaft verändert sich, die heutigen Kinder und Jugendlichen wachsen in einer aus Medien und Schnelllebigkeit geprägten Welt auf. Doch junge Menschen, die sich in den Pfarreien engagieren, bringen neue Ideen mit. Diese Ideen finden Eingang in Sachausschüsse, die mit neuen, anderen Konzepten wieder Menschen Zugang zum Glauben geben sollen. Dass das Thema Geschichte in Kirchen nicht nur durch standardisierte Kirchenführungen in den Pfarreien abgedeckt sein muss, zeigt die Marienausstellung in Hannberg. Das kleine Mädchen, das von sich aus eine Kerze vor dem Gnadenbild anzündete wurde durch die Marienfigur angezogen und hoffte durch das Gebet ihrem kranken Großvater zu helfen. Nur für dieses eine Kind allein hatte sich die Mühe der Ausstellung bereits gelohnt.