Bei einem Reise in der Nähe von Kairlindach wird Pfarrer Veit von Berg aus Uehlfeld von Räubern überfallen und rettet sich nur mit Glück. Die Erzählung des Pfarrers Veit von Berg beschreibt eindringlich die Verhältnisse im Seebachgrund und Umgebung während des 30-jährigen Krieges um 1640. 

Im August 1639 übertrug mir das hohe Konsistorium die beiden Pfarreien Steppach und Oberhöchstadt, dazu wurden mir die erledigten Pfarrämter Uehlfeld, Dachsbach und Kairlindach zur Verwesung übergeben und wenn ich es möglich machen könnte, so sollte ich auch noch Emskirchen und Kirchehrenbach versehen. Sieben Pfarreien und seine mehr besetzt, alle Pfarrer verkommen, gestorben, erschossen oder zu Tode gequält.

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Nachbildung Pfarrer Veit von Berg (Uehlfeld)

Von den Pfarrhäusern wäre etwa eins und das andere noch bewohnbar gewesen, wenn es einem nicht darauf ankam, vielleicht von einer einstürzenden Decke erschlagen zu werden oder im Winter aus Mangel eines ordentlichen Ofens halb zu erfrieren. Die Kirchen dienten den durchmarschierenden Truppen meistens als Pferdeställe und sahen darnach aus. Die Gemeinden waren zerstreut, in zwei Dörfern war auch nicht eine einzige Seele zu finden und die Leute, die ich antraf und denen ich mich vorstellte als ihr neuer Pfarrer, sahen mich an, als wäre ich nicht recht bei Trost, sagten mir es offen ins Gesicht, dass sie vor allem Brot brauchten um nicht zu verhungern, das andere sei jetzt Nebensache. Das schlimmste aber waren die Räuberbanden, die sich aus verzweifelten Bauern, desertierten Soldaten, Zigeunern und allen nur denkbaren Gesindel immer neu rekrutierten und eine Landesgeisel waren, wie man sie sich nicht größer vorstellen kann.

Da tat sich durch Gottes Fügung ein Türlein ganz unerwartet auf. Eines Abends läßt sich auf unserer Treppe  das Geklirr von Sporen hören und bald darauf tritt in unser Stüblein der Rittmeister Junker Blenmann von Löwenburg aus Schloß Birnbaum. Der Junker meinte, er brauche einen Pfarrer auf seinen Schloß, der ihm und seinen Insassen hie und da predige und das hl. Sakrament reiche; er habe Vertrauen zu mir und habe mich liebgewinnen. Ich solle zu ihm nach Birnbaum kommen.

Da hatte ich also ein neues Amt, siebenfacher Pfarrer war ich schon, jetzt auch noch Schloßkaplan aus Birnbaum. Drei Tage darauf sind wir ins Schloß Birnbaum übergesiedelt, das für volle zehn Jahre unser Aufenthalt werden sollte.

Mein Amt war furchtbar schwer und jeden Tag hatte ich mein Totenhemd auf dem Leib. Wer mir begegnet ist auf meinen Fahrten, der hat sicher alles andere in mir vermutet als einen Pfarrer. Da saß ich auf meinem Gaul, den großen Schlapphut auf dem Kopf, meine Brust war umschlossen von dicken Kosser, das Schwert klirrte an den Sporen der Reiterstiefel und der Mantelsack barg den Kirchenrock nebst den Abendmals und Taufgefäßen. Aus den Halftern aber schauten die Kolben der Faustrohre bereit ihr Wort mitzusprechen, wenn Not an Mann ging. Hinter mir oder neben mir ritt einer der Knechte, gar oft den Karabiner auf den Schenkel gestemmt und sorgsam den Wald zu beiden Seiten durchspähend, ob sich nichts Verdächtiges hören oder sehen ließ.

zu Veit von Berg

zu Veit von Berg

Es war im Herbst 1643, daß ich spät gegen Abends bei dichtem Nebel von Kairlindach zurückritt, wo ich einem Toten das letzte Geleit gegeben. Der Michel, der bei mir war, trieb zur Eile und meinte, es sei ein rechtes Halunken- und Zigeunerwetter und er wolle froh sein, wenn er heute mit genzen Knochen sich auf sein Stroh ausstrecken könnte. So setzten wir den die Pferde in Trab, die um so schärfer ausgrissen, als sie wußten, daß es dem Stalle zuging und schauten nach den Feuerrohren, ob alles an ihnen in Ordnung sei. Noch ein Wäldchen hatten wir zu passieren, dann war’s gewonnen, es kam freies Feld und damit freier Spielraum für die Rosse. Wir ritten in Gottes Namen hinein, merkten aber bald, daß es da nicht sauber sei. Die große, graue dänische Dogge war, sprang vor, fletschte die Zähne und tiefes Murren kam aus ihrer Brust. In demselben Augenblick bekam ich einen Schlag an die linke Seite, der mich beinahe vom Roß geworfen hätte und mir für einen Augenblick die Besinnung raubte. Aber nur für einen Augenblick, Schüsse krachten und die bleiernen Bohnen pfiffen durch die Luft, zugleich sprangen sechs Kerle mit Schweinsspißen auf den Weg, uns aufzuhalten und von den Gäulen zu stechen. Der Michel, der ganz unverletzt geblieben war, Schoß einen von ihnen, Schwert heraus, stieß dem Gaul die Sporen in die Seite, daß er vorwärts stürmte, ich ihn nach wie das Wetter, mein Pistolenschuss streckte einen anderen nieder, ein Hieb mit dem Kolben einen dritten, der Michel war auch nicht faul und die Dogge fiel die Mörder von hinten an. Sie hatten genug und wichen; wir aber sausten in gestrecktem Galopp dahin, umsprungen und umbellt von der mächtigen Rüde, die unversehrt dem Treffen entronnen war.

Meine Brust fing an bedeutend zu schmerzen und ich war froh, als ich im Schloßhoff von Pferd steigen konnte; es war mir übel zumute, der Michel mußte mich die Treppe hinaufführen ins Familienzimmer, wo mein bleiches Aussehen auffielt und meine Schwester mir bestürzt entgegeneilte. Was war es? Ich hatte an diesem tag gegen den Rat des Junkers sein Büffelkoller angelegt und war im einfachen Rock geritten. In einer Seitentasche3 des selben trug ich immer ein in Schweinsleder gebundenes Buch, in das ich die Todesfälle und Kindtaufen einschrieb. Das Buch ist mein Lebensretter geworden. In ihm stak die Kugel, die mir sonst durchs Herz gefahren wäre.

– Dieses Buch steht heute im Museum Neustadt a.d. Asch