In Hannberg gab es seit dem 12. Januar 1871 eine sogenannte Marianische Sodalität. Hierbei handelte es sich um eine Bruderschaft, welche die Verehrung der Maria und die Sammlung von Geld zur Unterstützung von hilfsbedürftigen Familien in der Pfarrei in den Mittelpunkt stellt. Die stiftungsähnliche Vereinigung in Hannberg verfügte im Jahr 1919 über ein Kapital von 4.700,- Mark. Man versuchte dieses Kapital möglichst gewinnbringend anzulegen. Während des 1. Weltkrieges investierte man z.B. in Kriegsanleihen mit 5% Verzinsung.

Mit den Erträgen hat man bedürftige Familien unterstützt (siehe Armensitzungen in Dechsendorf, Verkündbuch 1885, Blatt 2). Nach der Inflation im Jahre 1923 wurde das vorhandene Kapital abgewertet und brachte nur noch geringfügige Erträge. Vermutlich hatte Pfarrer Fischer das vorhandene Kapital von 33,70 Mark im November 1932 an die Marianische Bürgersodalität Bamberg überwiesen und die Marianische Sodalität zu Hannberg geschlossen.

Gründung 1871

Unter Pfarrer Popp, der 1869 – 1887 Pfarrer in Hannberg war, wurde die Marianische Bruderschaft gegründet. In einem offiziellen Schreiben vom 12. Januar 1871 des Erzbistums Bambergs an das katholische Pfarramt zu Hannberg wird der Marianischen Sodalität zu Hannberg die Anerkennung ausgesprochen.

Bezug zu Höchstadt

In dem Pfarrakten des Archivs des Erzbistums Bamberg findet sich ein Brief aus dem Jahr 1846 des Pfarramts Höchstadt nach Hannberg, in der mitgeteilt wird, dass die Marianische Sodalität zu Höchstadt genehmigt wurde. Vermutlich standen die Pfarreien bzgl. der Gründung einer Sodalität zu Ehren der Maria in engen Kontakt. Die Gründung der Sodalität in Höchstadt hat vermutlich eine Entstehung der Bruderschaft in Hannberg motiviert und beschleunigt.

Feste und Bräuche

Aus den Beschreibungen des Vorstehers der Marianischen Sodalität zu Höchstadt lassen sich die wichtigsten Bräuche und Feste auch für Hannberg heraus lesen. Das Fest Maria Himmelfahrt am 15. August war das höchste Fest der Bruderschaft. Nach der Frühmesse an Maria Himmelfahrt konnte man offiziell in die Bruderschaft aufgenommen werden. Hierbei wurden nur Männer zugelassen, was im 19. Jahrhundert eine übliche Praxis war. Nach der 13 Uhr Predigt fand eine Prozession der Sodalität durch die Ortschaft statt, in der die Figur der Maria gefeiert wurde. In Hannberg wurde sowohl die Schmerzensmaria (das sogenannte Hannberger Gnadenbild) und die Mutterfigur  (Maria mit dem Kinde) verehrt.

Stiftungen und Geldanlage

Pfandbriefe

Im Archiv in Bamberg gibt es umfangreicheUnterlagen über Stiftungen an die Marianische Sodalität in Hannberg. Als Beispiel werden in einem Erbvertrag der Familie Seeberger aus Großenseebach aus dem Jahr 1911 explizit 50 Mark als Stiftung an die Marianische Sodalität Hannberg ausgewiesen.

Eine Auflistungen von Pfandbriefen aus dem Jahr 1918 gibt einen Überblick der damals üblichen Investitionen.  Auffällig ist dabei die Investitition in Kriegsanleihen, die mit 5% relative gut verzinst wurden. Vermutlich hatten diese Pfandbriefe nach dem 1. Weltkrieg ihre Bedeutung komplett verloren.

Folgende Pfandbriefe wurden 1918 gekauft:

  • Bayerischen Hypo und Wechselbank
  • Pfälzer Hypo. Bank
  • Bayerische Landwirtschaftsbank
  • Bayerische Handelsbank
  • Kriegsanleihen

Schließung 1932

In einem Brief aus dem  1932 wird die Übertragung von 33,70 Mark von der Marianianischen Sodalität Hannberg an die Brüderschaft in Bamberg dokumentiert. Pfarrer Fischer aus Hannberg hatte angesichts des durch die Inflation in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zusammen geschmolzenen Kapitalbetrags die Sodalität zu Hannberg geschlossen. Der Restbetrag von 33,70 Mark wurde an die Bruderschaft in Bamberg überwiesen.

 Quellen

  • Diözesanarchiv Bamberg, Pfarrakte Hannberg – Marianische Sodalität
  • Diözesanarchiv Bamberg, Verkündbücher Pfarrei Hannberg