In der Woche vor Christi Himmelfahrt werden traditionell die Bittgänge nach Hannberg, Obermembach, Hesselberg und Dechsendorf durchgeführt. Bittgänger aus Hannberg, Großenseebach, Weisendorf und Reut ziehen aus verschiedenen Richtungen nach Obermembach und feiern dort Gottesdienst.  Das diese Tradition in der Pfarrei eine über 500-jährige Geschichte hat, zeigt ein Blick in den Beitrag zum 950-jährigen Ortsjubiläum in Hannberg von Dr. Manfred Welker exemplarisch zum Bittgang nach Obermembach aus dem Jahr 2015. 

Bittgänger

Bittgänger

Die Bittgänge zwischen den einzelnen Dörfern der Pfarrei Hannberg sind aus der ursprünglichen Sitte entstanden, daß sich die Pfarreien Hannberg, Büchenbach und Herzogenaurach mit Pfarrwallfahrten gegenseitig besuchten. Dabei war es früher Brauch, daß aus jedem Haus in der Pfarrei mindestens ein Mitglied bei den Bittprozessionen dabei war. Dieser „Wallfahrtsverkehr“ zwischen einzelnen Pfarreien war früher nicht ungewöhnlich.

So konnte Luitpold Maier für die Pfarrei Herzogenaurach im Jahr 1475 eine Sammlung für Kerzen belegen, die man nach Hannberg opferte. Im Jahr 1488 wurden 5 Pfund und 10 Pfennig von den Bürgermeistern für die Kerzen nach „Hannberg zu unser lieben Frawen“ ausgegeben. 1520 erhielt der Priester für ein Viertel Weins 20 Pfg. „do sie am Freitag nach Exaudi [Freitag vor Pfingsten] mit dem Kreuz gen Hannberg gegangen.“

Im Herzogenauracher Verkündbuch war für das Jahr 1798 festgelegt: „Am Markustag geht von hier die Wallfahrt nach Büchenbach, am Bittmontag von Büchenbach hierher, am Bittdienstag von hier nach Büchenbach, am Sonntag vor Pfingsten zur Hagelfeier nach Hannberg, am Pfingstmontag Büchenbach und Hannberg zur Hagelfeier hierher, desgleichen an Maria Magdalena und an Maria Geburt von hier nach Hannberg. „

Im Jahr 1804 waren unter der neuen bayerischen Regierung die Wallfahrten außerhalb der eigenen Pfarrei verboten worden.Die preußische Vorschrift von 1805 bestimmte, daß die Wallfahrten auf den Markustag, die drei Bittage und Fronleichnam beschränkt blieben und zwar auf den Pfarrort. Erst später, erneut in Bayerischer Zeit, konnten die Pfarreien ihre Prozessionen wieder aufnehmen.

Nach Büchenbach führte die Hannberger Gläubigen ihr Weg stets am Markustag (25. April). In der Woche vor Christi Himmelfahrt ist am Dienstag Hesselberg Ziel einer Bittprozession, am Mittwoch Dechsendorf.

Der angestiegene Verkehr machte diesen Brauch jedoch zu gefährlich. Aus diesem Grund nahm unter Pfarrer Hans Sterzl (1959-1972) der Bittgang nach Obermembach seinen Anfang. Ursprünglich am 1. Mai abgehalten, wurde er später auf den Montag vor Christi Himmelfahrt verlegt.

Dieser Bittgang ist eingebettet in eine Woche, die mit dem Bittsonntag begann. Pflegen an diesem Tag die Gläubigen der umliegenden Ortschaften Dechsendorf, Heßdorf, Ober-, Mittel- und Untermembach, Großenseebach, Neuenbürg, Hesselberg, Dannberg, Klebheim, Niederlindach und Röhrach nach Hannberg zu kommen, so erwiderte die Mutterpfarrei Hannberg an den darauffolgenden Tagen diesen Besuch.

Vom Wetter lassen sich zahlreiche Gläubige aus Großenseebach, Hannberg, Weisendorf und Reuth nicht abhalten, am Montag vor Christi Himmelfahrt den Bittgang der Pfarrei Hannberg zur Valentinskapelle in Obermembach zu machen. Die kleine Kapelle kann die überaus zahlreichen Pilger natürlich nicht aufnehmen. Das Feldfrüchteamt wird daher auf dem Platz davor zelebriert, für die Vorbereitung vor Ort sorgen die Familien Thomann und Schnappauf.

„Sonst gehen wir auf Aurach, heute kommen alle nach Obermembach“, meint Philipp Thomann, während er für die heranziehenden Pilger die Glocke der Kapelle zur Begrüßung läutet. „An der Kapelle wird bei der Bittprozession am Montag vor Christi Himmelfahrt Gottesdienst gehalten. Außerdem wird am Valentinstag und an jedem dritten Donnerstag im Monat Gottesdienst gefeiert.“, weiß Thomann zu berichten. Auch die Herzogenauracher Fußwallfahrt nach Dettelbach macht Zwischenstation in Obermembach. Ebenso werden hier Andachten gerne abgehalten.

Valentinskapelle Obermembach

Valentinskapelle Obermembach

Die Valentinskapelle in Obermembach wurde im Jahr 1725 als Stiftung von Margarethe Gumbmann errichtet. Nunmehr befindet sich die Kapelle auf dem Grundstück von Philipp Thomann, der sich auch um die Kapelle sorgt. Diese wurde im Jahr 1962 umgestaltet.

Ausgangspunkt für die Bittprozession ist die Wehrkirche St. Mariae Geburt und Katharina in Hannberg. Der Weg führt die Pilger am Montag über Großenseebach, wo sich weitere Gläubige anschließen, durch den Wald nach Obermembach. Ein zweiter Zug aus Weisendorf und Reuth vereinigt sich damit, sodaß die beiden Gruppen gemeinsam in Obermembach anlangen. Musikalisch begleitet wird diese von Mitgliedern der FW-Jugendkapelle aus Großenseebach.

„Unter großer Anteilnahme der Gläubigen feiern die amtierenden Hannberger Pfarrer das Feldfrüchteamt in Obermembach“, erzählt so der ehemalige Pfarrer Herwig Gössl, nunmehr Weihbischof des Erzbistums Bamberg, oder sein direkter Nachfolger Pfarrer Lars Rebhan.

Unterstützt werden beide häufig von Reverend James Nangachiveettil aus Weisendorf. Im Anschluß an den Gottesdienst in Obermembach verbleibt immer genügend Zeit zur Stärkung, bevor die Gläubigen den Rückweg antreten.