Autor: Robert Noppenberger, Hannberg als Vorabdruck für den Weisendorfer Heimatboten, März 2013

Der Autor des vorliegenden Artikels beschreibt die Geschichte des Hannberger Gnadenbildes, eine Maria Pieta, die im 16. – 18. Jahrhundert von vielen Pilgern in Hannberg aufgesucht wurde und um 1891 spurlos verschwand. Das Auftauchen der Pieta im Jahr 2005 in einer Kapelle des in der Nähe befindlichen Hammerbachs wirft viele Fragen auf.

Hintergrund

Damals, vor mehr als 20 Jahren war unser Geistlicher Rat Fritz Fröhlich, der auch mit den Kirchenführungen betraut war, in den Ruhestand getreten und nach Herzogenaurach verzogen. Deswegen trat man seitens der Kirchenverwaltung an mich heran mit der Bitte, den interessierten Besuchern der Wehrkirche das Wissenswerte aus der Geschichte der Anlage zu erzählen. Ich war gerne dazu bereit, musste mich aber notgedrungen intensiv mit der Geschichte Hannbergs beschäftigen.

Dabei stellte ich fest, dass die Wehrkirche nicht nur Zufluchtsort für die Bewohner der umliegenden Dörfer in unruhigen Zeiten war, sondern vor allem auch ein Wallfahrtsort. Der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier berichtet in seinem Beitrag „Wallfahrtsverkehr unter den Pfarreien Büchenbach, Hannberg und Herzogenaurach (Erlanger Heimatblätter 1926/36): „Seit undenklichen Zeiten bestand unter den benachbarten Pfarreien Büchenbach, Hannberg und Herzogenaurach ein reger Wallfahrtsverkehr, worüber die Herzogenauracher Gotteshausrechnungen manches zu berichten wissen. Die älteste vorhandene Rechnung spricht 1475 (13 Jahre nach der Frühmessstiftung durch den Nürnberger Patrizier Johann Igeltaler in Hannberg) bereits von der Sammlung zu den Kertzen, die man gen Haynwerk geopfert hat, und zwar Jahr für Jahr“. Ziel der Wallfahrer war das Gnadenbild in Hannberg. Der Jesuitenpater Gamans, der von 1652 – 1654 Pfarrverweser in Sambach war, beschreibt das Hannberger Wallfahrtsbild als eine „Vespergruppe mit verschränkten Händen Mariens“, das neben dem Sakramentshäuschen in einem Gehäuse auf einer Säule stand“. Versperbilder (Marienklage, italalienisch Pieta) sind aus einer historischen Komposition, der Beweinung hervorgegangen. Sie zeigen Maria mit dem vom Kreuz herabgenommenen Sohn im Schoß und sind ergreifende Gegenbilder zur Maria mit dem Jesusknaben. Die Klage um den Toten, ein uraltes Menschheitsmotiv, erhält hier christliche Gestalt.

Wallfahrtsverkehr zum Hannberger Gnadenbild

Hannberger Gnadenbild

Hannberger Gnadenbild

Der Zudrang zum Gnadenbild war enorm. Auffällige Gebetserhörungen und wunderbare Heilungen körperlicher Leiden vermehrten die Zahl der Hilfesuchenden in ungewöhnlicher Weise um so mehr, als die Kapuziner von Höchstadt, die Franziskaner von Forchheim, die Geistlichkeit von Herzogenaurach, Büchenbach und Schlüsselfeld zur Aushilfe im Beichtstuhl und auf der Kanzel hierher eilten; noch 1789 empfingen an einem Feiertag 1200 die Sakramente (siehe Regensburger Marien-Kalender, Seite 9).

Sollten es in einem einzigen Jahr insgesamt nur 1000 Hilfesuchende gewesen sein, die angesichts der Schmerzensmutter ihre Anliegen im Gebet vorbrachten, so wären es umgerechnet auf die Vergangenheit Hundertausende unserer christlichen Vorfahren, die vor dieser Statue beteten. Der bereits erwähnte Heimatforscher Luitpold Maier schreibt am Ende seines Artikels:“1804 waren unter bayerischer Regierung Wallfahrten außerhalb der Pfarrei verboten und am 25. April war der in Preußen angeordnete Buß- und Bettag. Wohl sagte der damalige hießige Pfarrer Schleicher, dass eben dieser Tag der des heiligen Markus ist und auch ein ‚Bettag für die Katholiken. Die Wir wallfahren in altgewohnter Weise nach Büchenbach, wo auch Hannberg hinzukommt. Dort wird dann Amt, Predigt und Prozession gehalten. Es wird aber auch von der Kanzel bekanntgegeben, dass sich die Pfarrgenossen an diesem Tag von Feld- und Professionsarbeiten enthalten möchten. Nachdem dieser Tag mit dem bei den Protestanten gebräuchlichen Buß = und Bettag zusammenfiel, und vom erwähnten Pfarrherrn die Gelegenheit erfasst wurde, durch diese Feier die übliche Wallfahrt zu verbinden, so erhielt er sogar von der preußischen Kommission noch eine Lobschrift mit der Bemerkung, dass unter dem königlichen Szepter die neuen katholischen Untertanen eine ganz gleiche Zuneigung und gleichen Schutz mit den alten, protestantischen zu erwarten haben; es wird auch gegen ihn der Versicherung nicht bedürfen, dass man sich auch in Zukunft das Wohl der katholischen Stiftungen, Gotteshäuser und Schulen auf eine getreue und unparteiliche Art jederzeit wird angelegen sein lassen. Die Wallfahrt am Markustag war dadurch als einzige außerhalb der Pfarrei gerettet und genehmigt.

Maria aus Frensdorf

Maria aus Frensdorf

Am 9. Juli 1807 schrieb Pfarrer Menkus von Büchenbach und Pfarrer Sauer von Hannberg ans hiesige Pfarramt, dass sie künftig keine Wallfahrt mehr in die benachbarte Pfarrei unternehmen und dieser seit Jahrhunderten gepflogene Brauch wurde dadurch für immer eingestellt.“

Das Verbot der Wallfahrten wurde zwar später wieder aufgehoben, aber man konnte mit der Eisenbahn bekanntere Wallfahrtsorte wie Gößweinstein, Vierzehnheiligen, Altötting oder sogar Lourdes aufsuchen. Am 6. Januar 1865, am Dreikönigstag, schlug der Blitz bei einem Wintergewitter in den mit Ziegeln gedeckten Kirchenturm. Der Dachstuhl brannte ab, der Altarraum wurde in Mitleidenschaft gezogen. Stand damals vielleicht noch das Gnadenbild im Altarraum und wurde es in Mitleidenschaft gezogen? Es ist uns nichts berichtet, wir wissen es einfach nicht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, vielleicht auch schon früher war es nicht mehr aim Altarraum sondern in einem Abstellraum.

Wie konnte das Hannberger Gnadenbilds verschwinden?

Heute wissen wir, dass diese Statue im Herbst des Jahres 1891 verschwand, ohne Wissen des Eigentümers, der Kirchenverwaltung Hannberg. Der damalige Hannberger Pfarrer, Geistlicher Rat Christian Rath, seit 1887 in Hannberg, legte eine Pfarrchronik an. Er schrieb über alle Vorfälle, z.B. dass es im Jahre 1903 infolge der Winterkälte viele Erkrankungen und viele Professuren (Versehgänge) gab, welche der Pfarrer, da sein alter Rappe den Weg allen Fleisches gegangen ist, per pedes machen muss. Nachfolger des Rappen ein Fuchs – kostet 350 Mark.“ Pfarrer Christian Rath hätte doch sicher die Schenkung einer Statue erwähnt, wenn sie erfolgt wäre. Es nicht üblich, dass man für einen Abstellraum ein Bestandsverzeichnis anlegt oder der Eigentümer beziehungsweise der Geistliche einen Kontrollgang in den Abstellraum unternimmt, um die Vollständigkeit des Inventars zu überprüfen. Das Fehlen der Karfreitagsratschen oder der Krippenfiguren wäre sicherlich innerhalb eines Jahres bemerkt worden. Tatsache ist , dass die Statue 1891 verschwand, niemand wusste in Hannberg wohin. Es gibt weder schriftliche Hinweise noch lebende Zeitzeugen. Wir wissen heute, dass sie eine neue Bleibe gefunden hatte. Sie stand wieder auf einem Altar, war sozusagen der Mittelpunkt bei der Einweihung eines Kirchleins am 19. November, dem Elisabethentag des Jahres 1891. Sie war dort Mittelpunkt, bis sie nach dem 2. Vatikanischen Konzil, als ein Volksaltar in dem Kirchlein eingerichtet wurde, wieder weichen musste, aber in der Kapelle blieb. Mehr als hundert Jahre später suchte man in Hannberg nach dem verschwundenen Gnadenbild der Wallfahrtskirche. Mag es auch seinerzeit beim Transfer in das Kirchlein nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein, so entsprach es doch dem damals christlichen Zeitgeist. Den neuen „Besitzern“ war aus der Not geholfen. Ob die Beteiligten ihr Gewissen belastet haben, wissen wir nicht.

Suche nach den Hannberger Gnadenbild

Maria Höchstadt St. Georg

Maria Höchstadt St. Georg

Wie eingangs erwähnt, beschäftigte ich mich intensiv mit der Geschichte Hannbergs und las dabei unter anderem im Schnell Kunstführer von Hannberg Nr. 1001, 1. Auflage 1977 auf Seite 4:“P. Gamans nennt (1653) eine Pieta mit verschränkten Händen Mariens. Sie soll als Wallfahrtsbild gedient und neben dem Sakramentshäuschen in einem Gehäuse auf einer Säule gestanden sein (heute nicht mehr vorhanden). Es ist anzunehmen, dass das Gnadenbild viel verehrt wurde, da sich in Höchstadt, Frensdorf, Baunach ähnliche Vesperbilder befinden, die wie Hch. Mayer darlegt – als Nachbildungen des verschwundenen Hannberg Wallfahrtsbildes anzusehen sind.“ Heute nicht mehr vorhanden – verschwunden! Das ging mir durch den Kopf und ließ mir keine Ruhe. Wie kann denn überhaupt eine Statue aus einer Wallfahrtskirche spurlos verschwinden? Das ist doch unmöglich! Man stelle sich vor, in Altötting verschwindet plötzlich spurlos das Gnadenbild oder in Czenstochau die „Schwarze Madonna“? Ich beschloss also, dieses Rätsel, wenn überhaupt möglich, zu lösen.

Es würde zu weit führen, die Seiten eines Buches füllen, wollte ich all meine Unternehmungen in dieser Sache zu Papier bringen. Es waren Fahrten notwendig nach Höchstadt, Frensdorf, Baunach und Nürnberger, Fotos, der Briefwechsel mit einem Buchautor und Geistlichen in Ruhestand. Bei meinen Nachforschungen hatte ich unter anderem erfahren, dass vor mir schon der ehemalige Pfarrer von Hannberg, Hans Sterzl, auf der Suche nach der verschwundenen Statue war. Er schrieb mit am 22.3.2011:“Sie sind auf der Suche nach dem verschollenen Marienbild der Pfarrei Hannberg. Da ich von 1959 bis September 1972 Pfarrer in Hannberg war, haben Sie auch bei mir angefragt, ob ich vom Verbleib in irgend einer Form Kenntnis hätte. Dazu kann ich ihnen folgendes sagen: Aus den Gesprächen mit den Mitgliedern der Kirchenverwaltung weiß ich sicher, dass nach dem Ende des Krieges (1939-1945) eine Marienfigur der Pfarrei Hannberg nach Nürnberg Unserer Lieben Frau gegeben wurde.

Der Grund dieser Übergabe war die Zerstörung vieler Kirchen in Nürnberg und damit auch die Zerstörung vieler Kunstwerke. Der Übergebende war Pfarrer Stang, der Empfänger- vermutlich Pfarrer Rathgeber. Die Figur sollte in der ST. Klarakirche zu Nürnberg aufgestellt werden. Eine schriftliche Bestätigung dafür habe ich nie gefunden. Wie mir die Mitglieder der Kirchenverwaltung sagten, gab es auch keinen Kirchenverwaltungsbeschluss über den Transfer. Diese Marienfigur war zum Zeitpunkt der Übergabe beschädigt und war auf dem Dachboden der Kirche gelagert. Auf Grund all dieser Kenntnisse besuchte ich in den sechziger Jahren den Pfarrer von Unserer Lieben Frau Nürnberg, Herrn Gewinner, und fragte nach über den Verbleib. Zuvor hatte ich die St. Klarakirche besucht, in ihr aber nicht das Marienbild aus Hannberg gesehen. Pfarrer Gewinner bestätigte wohl die Existenz dieser Marienfigur, doch er war in seiner Auskunft über den Verbleib sehr zurückhaltend. Ob auf mangelndem Wissen oder einfach aus dem Gedanken an den Fakten nichts zu ändern, weiß ich nicht.“

Die Statue aus Hannberg fand ich schließlich in der Pirckheimerkapelle in Nürnberg, aber es war keine Pieta mit verschränkten Händen Mariens sondern das Gegenteil, eine Maria mit dem Jesusknaben. Die Suche nach dem verschwundenen Marienbild war also vergeblich.

Damals schrieb ich an die Kirchenverwaltung Hannberg: “Ob unser verschwundenes Gnadenbild überhaupt noch existiert, in den Kunsthandel gelangt ist oder sich irgendwo noch in Privatbesitz befindet, wissen wir nicht. Trotzdem sollten wir aber nicht aufhören, weiterhin zu fahnden nach einer etwa 500 Jahre alten „Pieta mit verschränkten Händen Mariens“, dem jahrhundertelang von den Bewohnern unserer Gegend so sehr verehrten Gnadenbild in Hannberg. Ich hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, das Rätsel des spurlos verschwundenen Gnadenbild der Wallfahrtskirche von Hannberg lösen zu können, da klingelte es an einem Maiabend an meiner Haustür. Unser damaliger Pfarrer Gössel war es. Er erzählte mir, dass er heute mittags so nebenbei gehört habe, in der Hammerbacher Kapelle befände sich eine Statue aus Hannberg. So ein Zufall – sagte ich. Nein, das ist kein Zufall, das ist Fügung Gottes, meinte er.

Wiedergefunden nach 110 Jahren

Gleich am nächsten Tag in aller Frühe fuhr ich mit meiner Frau auf der Vespa nach Hammerbach. In der Kapelle erblickte ich, wonach ich seit mehr als einem Jahrzehnt gesucht hatte, es war für mich wie ein Wunder, die Pieta mit verschränkten Händen Mariens, das uralte Gnadenbild der Wallfahrtskirche von Hannberg, das vor mehr als einem halben Jahrtausend in der Hannberger Kapelle war und auch von Herzogenauracher Wallfahrern bereits im Jahre 1475 besucht wurde.

Ich frage mich: Wie ist diese Statue nach Hammerbach gekommen? Ich musste mich also auch mit der Geschichte der Hammerbacher Kapelle befassen. Über den Hammberbacher Kapellenbau ist uns sehr viel überliefert. So schrieb Oberlehrer Stadter 1931 in den Herzogenaurach Heimatblättern „dass man bei der Bauplatzfrage oft kleinlichen, dörflichen Interessen nachgibt und oft Anlagen schafft, die sich nie vorteilhaft im Dorfbild ausnehmen. Den geeigneten und schönsten Bauplatz für ein Kirchlein in Hammberbach hat man trotz jahrelanger Wahl nicht gefunden. Endlich bewog die Gutsbesitzersehefrau Kunigunda Seeberger, Haus Nr. 9 ihren Ehemann Konrad Seeberger, einen Teil ihres an der Straße mitten im Dorfe gelegenen Gemüsegartens als Kirchenbauplatz zu verleihen. Wenig später überließ das christliche Ehepaar den Platz der Ortsgemeinde schenkungsweise. Die zentrale Lage des Platzes gefiel und man nahm freudig das Angebot an.

Maria mit faltenden Händen (Hammerbach)

Maria mit faltenden Händen (Hammerbach)

Voreilig angefertigte Pläne von einem Weisendorfer Meister waren von solch primtiver Art, wie Stadter berichtet, dass an eine Baugenehmigung nicht zu denken war. Stadtpfarrer Birner beauftragte damals den „rühmlich bekannten“ Architekten Georg Häberle von Bamberg mit der Ausarbeitung eines Planes, der auch gefiel und ausgeführt wurde. Am 17. August 1890 beschlossen die Ortsgemeindebürger von Hammerbach die Erbauung des Kirchleins. Am 5. September 1890 wurde der Grundstein feierlich eingeweiht. Die demselben in verlötetem Blechgefäß eingefügte Urkunde gibt näheren Aufschluß über die damaligen Verhältnisse. Es würde zu weit führen, den Wortlaut dieser Urkunde hier niederzuschreiben. Sie enthält auch die Angabe über die jüngste Person. Es ist Georg L., geboren am 13. August 1890. Er wäre der letzte lebende Zeitzeuge und wäre bereits im Jahre 2000 insgesamt 110 Jahre alt gewesen. Ob er sich an die damalige Ereignisse hätte erinnern können, ist mehr als unwahrscheinlich.

 Es sind so viele Details überliefert, z.B. dass der Betstuhl von Meister Ludwig Biermann in Herzogenaurach nur 12 Mark kostete und derselbige auch den Hochaltar zum Preis von 500 Mark fertigte, aber merkwürdigerweise kein Wort von einer von den „Hannbergern“ geschenkte Statue, die im Altar ihren Platz fand. Warum? War das so unwichtig oder hatte es andere Gründe? Ist es damals beim Transfer von Hannberg nach Hammerbach doch nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen? Letzten Endes ist das jetzt auch unwichtig. Es ändert nichts an der Tatsache, dass man in Hammerbach im Besitz der Statue aus Hannberg ist.

Bemerkenswert ist es in diesem Zusammenhang, dass Pfarrer Hans Sterzl während seiner Zeit als Pfarrer von Hannberg selbst vergeblich auf der Suche nach der spurlos verschwundenen Statue war. Später, als Stadtpfarrer von Herzogenaurach, zu der ja auch die Kapelle in Hammberbach gehört, hat er sicherlich auch dort vor dem Altar das hl. Messopfer mit den Gläubigen aus Hammberbach öfters gefeiert ohne zu wissen, dass vor ihm auf dem Altar die Statue aus Hannberg stand, nach der er einst vergeblich gesucht hatte. Warum wohl? Er vermutete sie immer noch in Nürnberg und wusste auch nicht, wie sie aussah. Der Zahn der Zeit – es ist immerhin ein halbes Jahrtausend – hat auch an der Statue genagt. Im Herzogenauracher Marienkalender 2002 ist diese Statue abgebildet mit der Bemerkung: “Leider sind die Figuren sehr stark beschädigt und müssten dringend restauriert werden“! Ob dies inzwischen erfolgt ist?

Pfarrer Hans Sterzl schrieb mir nach seiner Ruhestandsversetzung damals im Jahre 2001: „Ich würde mich freuen, wenn Licht in diese Sache kommt. Wenn es sich hier außerdem um eine sehr alte Andachtsfigur der Pfarrei Hannberg handelt, so wäre eine Rückkehr sinnvoll und gerecht.“ In Hannberg wäre man an der Rückführung der Statue interessiert, weil sie das letzte Zeugnis des früheren Wallfahrtsortes Hannberg wäre. Es sollte nicht eine Rückgabe sondern ein Tausch stattfinden. Deshalb schlug man im Jahre 2008 vor, die Pieta, die gegenwärtig in Hannberg auf dem linken Seitenaltar steht in aller Stille gegen die Pieta in Hammerbach auszutauschen. ´Dies wurde im Schreiben vom 03.März 2009, dem heutigen egoistischen Zeitgeist entsprechend, leider von den Herzogenaurachern, dem Pfarrer, dem Kirchenpfleger und der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, abgelehnt.

Maria aus Baufach

Maria aus Baufach

Jeder, der die Geschichte dieser Statue kennt, müsste sich doch sagen: Eigentlich gehörst du nach Hannberg, wo du jahrhundertelang warst. Aber die Entscheidung müssen die Verantwortlichen mit ihrem Gewissen vereinbaren. Ob sie ein gutes Beispiel für christliches Empfinden, Denken und Handeln gegeben haben, möge der Leser dieses Artikels selbst entscheiden. Sicherlich ist diese Entscheidung auch nicht im Sinne der Hl. Elisabeth, auf deren Namen die Kapelle in Hammerbach geweiht wurde.

Bei den Führungen durch die Wehrkirche Hannberg erfahren eben die Besucher, dass diese Kirche jahrhundertelang auch der Wallfahrtsort für die Umgebung war. Das letzte Zeugnis dafür, das Gnadenbild, die Pieta mit verschränkten Händen Mariens, verschwand spurlos vor mehr als hundert Jahren und wurde durch Gottes Fügung nach mehr als hundert Jahren wieder in der Hammbersbacher Kapelle entdeckt. „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen“, auch weiterhin.

Quellen

  • Noppenberger, Robert als Vorabdruck für den Weisendorfer Heimatboten, März 2013
  • Regensburger Marien-Kalender „Unsere Liebe Frau zu Hannberg in Oberfranken“, Verlaf von Fr. Pustet in Regensubrg, New York und Cincinatti, 1879
  • Erlanger Heimatblätter 1926/36 „Wallfahrtsverkehr unter den Pfarreien Büchenbach, hannberg und Herzogenaurach“, Verlag Luitpold Maier, Würzburg
  • Brückner, Karl Heinrich „Marienwallfahrten im Erzbistum Bamberg“, St. Ott Overlag, 1993
  • Rühl, Eduard, Dr. „Kulturkunde des Pegnitztales und seiner Nachbargebiete“, Frankenverlag Lorenz Spindler, Nürnberg 1961
  • Meyer, Christian, Dr. „Geschichte Frankens“, G.J. Göschen’sche Verlagshandlung, Leipzig 1909
  • Pfarrarchiv Hannberg „Chronik der katholischen Pfarrei Hannberg vom Jahre 1887 mit einigen Reminiscenzen aus der früheren Zeit angefangen von Pfarrer Christian Rath
  • Schnell Kunstführer Nr. 1001, „Wehrkirche Hannberg“, Seite 4, 2. Abschnitt 1. Auflage 1977