Drittgrößte Kirchenburg Deutschlands

Die Wehrkirche Hannberg ist mit einer Fläche von 3700 qm die drittgrößte Kirchenburg Deutschlands. Lediglich die Wehrkirchen in Ostheim und Rohr (Thüringen) weisen eine größere Ausdehnung auf. Die Wehrkirche wurden glücklicherweise weder in den Kleinkriegen im Mittelalter noch in den beiden Weltkriegen zerstört und kann somit eine ursprünglich erhaltene Wehranlage vorweisen.

Kirchturm 52 Meter

Das Symbol der Wehrkirche ist der 52 Meter hohe Kirchturm mit Scharwachttürmchen und die fünf Wehrtürme, welche in die Wehranlage integriert sind.

Der Grundstock des Kirchturms bildet der heutige Chorraum, der laut dem Historiker T. Breumann auf das Ende des 15. Jahrhundert zu datieren ist. Er hat eine Grundfläche von 8,3 Meter x 8,70 Meter. Der Kirchturm besitzt vier Stockwerke und diente als Verteidigungsturm mit einem eindrucksvollen Spitzdach und vier Scharwachttürmchen (oder auch Pfefferbüchsen) im gotischen Stil. Auf der Spitze ist ein Wetterhahn angebracht. Der Kirchturm ist bei einem Blitzeinschlag am 6. Januar 1865 abgebrannt und wurde innerhalb eines Jahres wieder aufgebaut.

Historische Entstehung Hannbergs

Der Ort Hannberg spielte bereits im 11. Jahrhundert eine strategische Rolle im Gebiet zwischen Bamberg, Würzburg und Erlangen und wurde erstmals im Jahr 1065 urkundlich unter dem Namen Hagenberhc in einer Geschenkurkunde des Bamberger Bischofs erwähnt. Hannberg feiert 2015 sein 950 jähriges Jubiläum.

In Hannberg kann bereits ab 1300 eine steinerne Kapelle nachvollzogen werden, die erste urkundliche Bestätigung stammt aus das Jahr 1348. Es handelt sich um die heute noch vorhandene „Ölbergkapelle“, in der ein Messner aus der Nachbarpfarrei Büchenbach regelmäßig Gottesdienste für die Gläubigen von Hannberg und den Nachbarorten des „Seebachgrundes“ durchführte.

Der Markgrafenkrieg 1449/50

Ausgelöst durch kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Nürnberg und den Markgrafen Albrecht Achilles von Bayreuth-Ansbach im ersten Markgrafenkrieg 1449/50 wurde die  Befestigung der vorhandenen Kirche initiiert. Die Entstehung und Konstruktion der Wehrkirche steht im Zusammenhang mit der Stiftung einer Frühmesse in Hannberg durch den Nürnberger Patrizier Johann Igeltaler 1464. Die Wehrtürme konnten bis 1464 erbaut werden, Der Bau der komplette Wehranlage war bis 1486 abgeschlossen.

Die Wehranlage Hannberg

Die Wehranlage in Hannberg ist mit einer Ausdehnung von 73,50 x 56,20 Meter die drittgrößte Kirchenburg Deutschlands. Lediglich die Wehrkirchen in Ostheim und Rohr (Thüringen) weißen eine größere Fläche aus. Die Besonderheit der Wehranlage in Hannberg ist das Verteidigungskonzept, dass zum Ende des 15. Jahrhundert als sehr fortschrittlich und modern einzustufen ist. Es wurden in Hannberg keine Wehrgänge mehr gebaut, sondern die Wehrtürme als geschlossene Wehrburgen mit Schießscharten nach außen und nach innen gebaut. Diese Konstruktion ist einzigartig in Franken.

Unterirdische Fluchtgänge in Hannberg

Eine Besonderheit in der Geschichte der Wehrkirche in Hannberg stellen die beim Bau der Wehrkirche entstandenen unterirdischen Fluchtgänge dar. Als letzte Fluchtmöglichkeit bei Angriffen auf die Wehrkirche wurde ein ca. 0,8 km langer unterirdischer Gang zwischen dem Kirchenschiff, dem Dorfplatz in Hannberg und einer versteckten Stelle außerhalb von Hannberg gegraben. Einzelne Tunnelstücke mit einer Lange von 25 Meter sind aufgefunden und ausgemessen worden, aufwendige Messungen haben unterirdische Hohlräume außerhalb der Ortschaft Hannberg bestätigt. Das Ende der Fluchtgänge wird in der ca. 0,8 km außerhalb von Hannberg liegenden Kreuzigungsgruppe Richtung Großenseebach vermutet.

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Das Kircheninnere

Das aktuelle Innere der Kirche ist durch eine barocke Ausstattung des Haupt- und Seitenaltäre geprägt. Historisch war die erste Ausstattung der Kirche durch spätgotische Elemente bestimmt, drei Steinaltäre, die der Heiligen Katharina und der Mutter Gottes gewidmet waren, sind in der heutigen Form nicht mehr erhalten. Heute noch erhalten sind einige wertvolle spätgotische Skulpturen aus Nürnberger Schnitzwerkstätten, wie z.B. die Maria mit dem Kinde im Hauptaltar und die „3 Madl“, die Hl. Katharina, die Hl. Barbara und die Hl. Margarethe (jeweils von ca. 1480-1500).

Hannberg- ehemaliger Wallfahrtsort

Die Wehrkirche Hannberg wurde kurz nach ihrer Erbauung zum Ende des 15. als Wallfahrtsort aufgesucht. Der Jesuitenpriester Pater Gamans aus Sambach beschrieb bei seiner Visitation im Jahr 1653 das bekannte  Hannberger Gandenbildes, eine Pietà mit verschränkten Händen und eine damit verbundene Marienerscheinung, welche für ein enormes Interesse von Pilger und Wallfahrer im 16. bis 18. Jahrhundert zu Folge hatte. Das Hannberg Gnadenbild ist seit 1890 in einer Kapelle in Hammerbach bei Herzogenaurach aufzufinden.

Der Zeitstrahl

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Weblinks

Quellen

  • Robert Noppenberger „Hannberg – Erste moderne Wehranlage der Neuzeit“, Hannberg 1998
  • Hans Schaub „Die Wehrkirche zu Hannberg, 2007
  • Monika Stark „Die Wehrkirche in Hannberg“, 1972, Universität Würzburg
  • Eduard Rühl, „Kulturkunde des Pegnitztales und seiner Nachbargebiete“, Nürnberg 1961.